Alltagsspanisch: Laden, Bar und Nachbarn in Spanien
Sie leben seit einem Jahr in Spanien, und auf dem Papier funktioniert Ihr Spanisch. Dann gehen Sie in die Bar an der Ecke, der Mann hinter dem Tresen sagt ¿Qué te pongo?, und Sie hängen fest, weil das Lehrbuch Sie auf ¿Qué desea tomar el señor? vorbereitet hat. Das ist die Sprachschicht, für die niemand eine Unterrichtsstunde ansetzt: das Spanisch des Tresens, der Schlange und des Aufzugs. Kein Slang, sondern das normale Register, in dem um Sie herum den ganzen Tag geredet wird.
An der Bar
Bestellt wird mit einer Frage, die auf poner aufbaut, nicht auf querer.
- ¿Me pones una caña? — Machst du mir ein kleines Bier vom Fass?
- Ponme un cortado, cuando puedas. — Mach mir einen Cortado, wenn du kannst.
- Para mí, un tercio y una tapa de tortilla. — Für mich eine 33-cl-Flasche und eine Tapa Tortilla.
Una caña ist ein kleines Glas Fassbier und die Standardbestellung in ganz Spanien; in weiten Teilen der Landesmitte heißt ein größeres Glas un doble. Una clara ist Bier mit Zitronenlimonade, sagen Sie also con limón oder con gaseosa dazu.
Die Tapa funktioniert nicht überall gleich. In Granada, León oder Almería kommt sie ohne Aufpreis zum Getränk; in Madrid oder Barcelona bestellt und bezahlt man sie normalerweise. Im Zweifel fragen: ¿La tapa va con la bebida?
Bezahlt wird am Schluss, meist der ganze Tisch zusammen.
- ¿Nos cobras cuando puedas? — Kassierst du uns ab, wenn du kannst?
- La cuenta, por favor. — Die Rechnung, bitte.
- Es para llevar. — Das ist zum Mitnehmen.
- ¿Tenéis menú del día? — Habt ihr ein Tagesmenü?
Das menú del día ist das Mittagsangebot an Werktagen: Vorspeise, Hauptgang, Brot, Getränk und Nachtisch oder Kaffee zum Festpreis. Der Kellner fragt ¿De primero? und ¿De segundo?
Die Schlange, die man nicht sieht
In kleinen Läden, an der Fischtheke, in der Apotheke stellt sich niemand in einer Reihe an. Die Reihenfolge existiert in den Köpfen der Anwesenden, deshalb fragt man beim Hereinkommen laut.
- ¿Quién es el último? — Wer ist der Letzte?
- ¿Quién da la vez? — Dieselbe Frage, üblich in Madrid und im Norden.
Jemand antwortet yo: Nur diese Person müssen Sie sich merken. Danach:
- ¿Me pone medio kilo de jamón? — Geben Sie mir ein halbes Kilo Schinken?
- ¿Algo más? — Nada más, gracias. — Sonst noch etwas? — Das wäre alles, danke.
- ¿Me cobra? — Kann ich zahlen?
Auf dem Markt
Am Obststand lohnt es sich zu sagen, für wann Sie es brauchen: Danach wird ausgesucht.
- Es para hoy. / Es para el fin de semana. — Das ist für heute. / Fürs Wochenende.
- ¿A cómo está el kilo? — Was kostet das Kilo?
- Ponme unos tomates para ensalada. — Gib mir ein paar Tomaten für den Salat.
Portal, Aufzug und Nachbarn
Grüßen ist nicht optional: beim Betreten eines kleinen Ladens und beim Hinausgehen, auch ohne Einkauf, und im Aufzug.
- Buenas. — Der Allzweckgruß zu jeder Tageszeit. Buenas tardes übernimmt nach dem Mittagessen, gegen zwei.
- Hasta luego. — Sagt man beim Gehen, auch zu Menschen, die man nie wiedersieht.
- ¡Voy! — Halten Sie den Aufzug.
El portal ist die Haustür samt Eingangshalle, el telefonillo die Gegensprechanlage. Die Etagen beginnen bei bajo, el primero liegt also eine Treppe höher, und Wohnungen heißen primero A oder segundo izquierda. Ihr Haus ist eine comunidad de vecinos, die Eigentümergemeinschaft: Ihre Versammlung heißt junta, ein administrador de fincas führt die Verwaltung, und größere Reparaturen laufen über eine derrama, eine einmalige Sonderumlage.
- ¿Me abres, por favor? Soy el vecino del cuarto. — Machst du mir auf? Ich bin der Nachbar aus dem vierten Stock.
- Perdona por el ruido del sábado, estamos de obras. — Entschuldige den Lärm am Samstag, wir haben Handwerker im Haus.
- Se ha estropeado el ascensor otra vez. — Der Aufzug ist schon wieder kaputt.
Warum das so schroff klingt
Wort für Wort übersetzt klingen fast alle Sätze oben ruppig. Sie sind es nicht.
Der Imperativ ist neutral. Dame, ponme, dime sind die normale Art, am Tresen etwas zu verlangen. Die Höflichkeit steckt in der Frageform und im Ton, nicht in gestapelten Konjunktiven. ¿Me pones un café? ist völlig höflich; ¿Sería usted tan amable de ponerme un café? klingt wie ein Scherz.
Das por favor wird dosiert. Es existiert, klebt aber nicht an jedem Satz: wiederholt wirkt es bittstellerisch. Ein gracias am Ende deckt den ganzen Vorgang ab.
Lautstärke ist keine Aggression. Man redet einander ins Wort, um Interesse zu zeigen; wer auf eine saubere Pause wartet, wartet lange.
Tú ist der Normalfall mit fast allen, usted bleibt deutlich älteren Fremden und Behördenschaltern vorbehalten. Und wenn Sie jemanden mit perdona ansprechen, lautet die Antwort oft dime, wörtlich "sag mir": eine Aufforderung zu sprechen, keine Ungeduld.
Wörter, die Zeit verschaffen
- Bueno… — Also… Federt ab, was folgt, besonders eine Absage.
- Pues… — Nun ja… Reine Denkzeit.
- O sea… — Ich meine… Leitet eine Umformulierung ein.
- Es que… — Das höfliche Nein: Es que hoy no puedo.
- Vale. — Okay. Vale, vale heißt "verstanden" oder "es reicht".
- Venga. — Los; und auch "gut, tschüss": Venga, hasta luego.
- En plan… — So in der Art… Sehr verbreitet bei jüngeren Sprechern.
Fünf davon bringen für Ihren Klang mehr als fünfzig neue Substantive: Sie kaufen die halbe Sekunde, die Sie für den nächsten Satz brauchen.
Was -ito wirklich bedeutet
Verkleinerungsformen sprechen selten von Größe.
- Un momentito. — Dieselbe Wartezeit wie un momento, nur freundlicher.
- ¿Nos tomamos una cañita? — Ein Bier, präsentiert als Kleinigkeit.
- Está un poquito caro. — Abgefederte Kritik: Es ist teuer.
- Ahora mismito. — Sofort, mit Wärme. In Spanien sagt man ahora mismo, ahorita ist lateinamerikanisch.
In Andalusien und weiten Teilen des Südens erledigt -illo dieselbe Aufgabe: un ratillo, chiquillo. Das Suffix kann auch abwerten: Wer die Arbeit eines anderen trabajito nennt, macht kein Kompliment.
Wie man es schneller aufschnappt
Gehen Sie dreimal in dieselbe Bar, hören Sie, was die Person vor Ihnen bestellt, und bestellen Sie genauso. Kopieren Sie ganze Sätze, statt sie aus Grammatik zu bauen, und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas entgeht.
- Perdona, ¿me lo repites más despacio? — Entschuldige, wiederholst du das langsamer?
Das nimmt niemand krumm: Hinter dem Tresen bedient man seit Jahren Ausländer.
Häufige Fragen
Was ist eine caña?
Ein kleines Glas Fassbier und die Standardbestellung in jeder spanischen Bar. In weiten Teilen der Landesmitte heißt ein größeres Glas un doble, un tercio ist die 33-cl-Flasche. Bestellt wird als Frage: ¿Me pones una caña?
Warum klingen Spanier schroff, ohne unhöflich zu sein?
Weil man im Imperativ bittet und por favor nicht an jedem Satz klebt. Ponme un café ist eine normale, höfliche Bestellung: Die Höflichkeit steckt in der Frageform und im Ton, nicht in zusätzlichen Formeln. Lautstärke und Ins-Wort-Fallen zeigen Interesse, keinen Ärger.
Wie fragt man in Spanien, wer als Letzter dran ist?
In kleinen Läden und an Theken gibt es oft weder Reihe noch Nummer. Beim Hereinkommen fragt man laut: ¿Quién es el último? In Madrid und im Norden hört man auch ¿Quién da la vez? Wer yo antwortet, ist Ihr Anhaltspunkt, und dem nächsten Kunden antworten Sie genauso.
Was bedeutet die Endung -ito im Spanischen?
Meist nicht die Größe. Un momentito dauert so lange wie un momento, klingt aber freundlicher, und un poquito caro federt eine Kritik ab. In Andalusien und im Süden übernimmt -illo dieselbe Aufgabe. Das Suffix kann auch abwerten: trabajito für die Arbeit eines anderen ist kein Kompliment.