Die schwierigsten Sprachen der Welt: Rangliste nach Schwierigkeitsgrad und Lernstunden
Wer sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema Sprachenlernen beschäftigt, stößt früher oder später auf eine Frage, die so alt ist wie die Linguistik selbst: Welche Sprache ist eigentlich die schwierigste? Die Antwort klingt zunächst unbefriedigend, denn sie lautet: Es kommt darauf an. Schwierigkeit ist kein absoluter Wert, sondern immer relativ zur eigenen Muttersprache, zu den bereits gelernten Fremdsprachen und sogar zur individuellen Lernbiografie. Ein deutschsprachiger Mensch wird Niederländisch wesentlich schneller erfassen als Koreanisch, während ein koreanischer Muttersprachler umgekehrt mit Japanisch deutlich weniger Probleme hat als mit Deutsch. Trotzdem gibt es Institutionen, die seit Jahrzehnten versuchen, die Schwierigkeit von Sprachen in ein nachvollziehbares System zu bringen. Das bekannteste und am häufigsten zitierte stammt aus den Vereinigten Staaten, genauer gesagt vom Foreign Service Institute, kurz FSI. Dessen Kategorisierung bildet die Grundlage für zahlreiche Rankings und Diskussionen im Internet, und sie ist auch der Ausgangspunkt dieses Artikels. Im Folgenden geht es um die Sprachen, die für Lernende mit einem europäischen Sprachhintergrund als besonders anspruchsvoll gelten, um die Gründe für diese Einstufung und um die Frage, ob sich der Aufwand lohnt.
Wie das FSI Sprachen nach Schwierigkeitsgrad einstuft
Das Foreign Service Institute ist eine Ausbildungseinrichtung des US-Außenministeriums, die seit den 1940er Jahren Diplomaten und Regierungsangestellte auf ihre Einsätze im Ausland vorbereitet. Im Laufe der Jahrzehnte hat das FSI dabei enorme Mengen an Daten gesammelt, wie lange englischsprachige Lernende im Durchschnitt brauchen, um in einer bestimmten Fremdsprache ein professionelles Arbeitsniveau zu erreichen. Aus diesen Erfahrungswerten ist ein Kategoriesystem entstanden, das Sprachen in vier (manche Quellen sagen fünf) Schwierigkeitsstufen einteilt.
Kategorie I umfasst die Sprachen, die einem Englischsprachigen am leichtesten fallen. Dazu gehören unter anderem Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch und Schwedisch. Das FSI rechnet hier mit etwa 600 bis 750 Unterrichtsstunden, um ein solides Gesprächsniveau zu erreichen. Die Verwandtschaft dieser Sprachen mit dem Englischen ist der entscheidende Faktor. Gemeinsame Wortstämme, ähnliche Satzstrukturen und ein vertrautes Alphabet sorgen dafür, dass Lernende schnell Erfolgserlebnisse haben und sich vieles aus dem Kontext erschließen können.
Kategorie II ist eine Art Zwischenstufe, in die das FSI zum Beispiel Deutsch einordnet. Mit geschätzten 900 Stunden gilt Deutsch als etwas anspruchsvoller als die romanischen Sprachen, was vor allem an der komplexeren Grammatik mit vier Fällen, der Wortstellung und den zusammengesetzten Substantiven liegt. Für deutschsprachige Lernende ist diese Einordnung freilich wenig relevant, da sie ja bereits in der Sprache zu Hause sind. Interessant ist sie aber als Vergleichswert.
In Kategorie III finden sich Sprachen, die bereits deutlich weiter vom Englischen entfernt sind. Hierzu zählen unter anderem Russisch, Griechisch, Hindi, Türkisch, Polnisch, Tschechisch und Finnisch. Das FSI veranschlagt hier etwa 1100 Stunden. Die Gründe für die höhere Einstufung sind vielfältig. Manche dieser Sprachen verwenden ein anderes Alphabet, wie das Kyrillische im Russischen oder die Devanagari-Schrift im Hindi. Andere haben eine grundlegend andere Grammatiklogik, wie etwa das Finnische mit seinen fünfzehn Fällen oder das Türkische mit seiner agglutinierenden Struktur, bei der Wörter durch das Anhängen zahlreicher Suffixe gebildet werden.
Kategorie IV schließlich enthält die Sprachen, die das FSI als die zeitintensivsten einstuft: Japanisch, Mandarin-Chinesisch, Kantonesisch, Koreanisch und Arabisch. Hier rechnet das Institut mit rund 2200 Unterrichtsstunden, also fast dem Dreifachen der romanischen Sprachen. Diese Sprachen unterscheiden sich in praktisch jeder Hinsicht fundamental von den europäischen Sprachen. Die Schriftsysteme, die Grammatik, die Phonetik und selbst die kulturellen Konventionen des Sprachgebrauchs stellen Lernende vor Herausforderungen, die sich nicht einfach durch Fleiß allein überwinden lassen, sondern auch ein grundsätzliches Umdenken erfordern.
Für Deutschsprachige sind diese Kategorien nicht eins zu eins übertragbar, da das FSI-System auf englischsprachige Lernende zugeschnitten ist. Dennoch bieten sie eine gute Orientierung. Die Sprachen, die für Englischsprachige am schwierigsten sind, sind in der Regel auch für Deutschsprachige besonders anspruchsvoll, da Deutsch und Englisch zur selben Sprachfamilie gehören und viele strukturelle Gemeinsamkeiten aufweisen. Wer als deutschsprachiger Mensch Japanisch lernen will, steht vor ähnlichen Hürden wie ein englischsprachiger Lernender.
Warum Japanisch als die schwierigste Sprache der Welt gilt
In vielen Rankings steht Japanisch ganz oben, wenn es um die schwierigsten Sprachen für westliche Lernende geht. Das hat mehrere Gründe, und sie alle hängen damit zusammen, dass Japanisch sich in nahezu jeder Dimension von den europäischen Sprachen unterscheidet. Es ist nicht nur ein einzelner Aspekt, der das Lernen erschwert, sondern das Zusammenspiel vieler Faktoren, die in ihrer Kombination eine einzigartige Herausforderung darstellen.
Das offensichtlichste Hindernis ist das Schriftsystem. Japanisch verwendet nicht ein, sondern drei verschiedene Schriftsysteme, die teilweise parallel und teilweise in Kombination eingesetzt werden. Hiragana und Katakana sind Silbenschriften mit jeweils 46 Grundzeichen, die man in einigen Wochen erlernen kann. Das eigentliche Problem sind die Kanji, chinesische Schriftzeichen, die ins Japanische übernommen wurden. Um eine japanische Zeitung lesen zu können, muss man mindestens 2136 Kanji beherrschen, die sogenannten Joyo-Kanji, die vom japanischen Bildungsministerium als Standardzeichensatz festgelegt wurden. Viele dieser Zeichen haben mehrere Lesungen, manchmal zwei, manchmal fünf oder mehr, je nach Kontext und Kombination mit anderen Zeichen. Das Zeichen für "Leben" etwa kann als "sei", "sho", "iki", "iku", "umareru" oder "nama" gelesen werden, abhängig vom Wort, in dem es vorkommt.
Die Grammatik des Japanischen folgt einer völlig anderen Logik als die europäischer Sprachen. Das Verb steht am Ende des Satzes, Subjekte werden häufig weggelassen, wenn sie aus dem Kontext ersichtlich sind, und es gibt keine Artikel, keine grammatischen Geschlechter und keinen Plural im europäischen Sinne. Stattdessen gibt es ein ausgeklügeltes System von Partikeln, kleine Silben, die die grammatische Funktion eines Wortes im Satz markieren. Die Partikel "wa" kennzeichnet das Thema eines Satzes, "ga" markiert das Subjekt, "wo" das direkte Objekt, "ni" eine Richtung oder einen Empfänger. Für Lernende aus Europa ist dieses System anfangs schwer zu durchschauen, weil die gewohnten Kategorien wie Nominativ, Akkusativ und Dativ zwar grob vergleichbar sind, aber eben nicht deckungsgleich funktionieren.
Besonders herausfordernd ist das japanische Höflichkeitssystem, das weit über das hinausgeht, was man aus dem Deutschen oder Englischen kennt. Es gibt verschiedene Ebenen der Höflichkeit, die sich in der Wortwahl, der Verbform und sogar der gesamten Satzstruktur niederschlagen. Ein einfacher Satz wie "Ich esse" kann auf mindestens vier verschiedene Arten ausgedrückt werden, je nachdem ob man informell mit Freunden spricht, höflich mit Bekannten, respektvoll über die Handlung eines Vorgesetzten berichtet oder bescheiden über die eigene Handlung gegenüber einem Kunden. Falsche Höflichkeitsstufen können in Japan als unhöflich oder lächerlich wahrgenommen werden, was den Druck auf Lernende erhöht, dieses System wirklich zu verinnerlichen und nicht nur oberflächlich zu beherrschen.
Dazu kommt die kulturelle Dimension des Japanischen. Die Sprache ist durchdrungen von kulturellen Referenzen, indirekten Ausdrucksweisen und unausgesprochenen Bedeutungen. Was im Deutschen direkt gesagt wird, bleibt im Japanischen oft zwischen den Zeilen. Ein japanisches "Das ist ein bisschen schwierig" bedeutet in vielen Kontexten schlicht "Nein", ohne dass das Wort "Nein" jemals fällt. Für Lernende aus direkter kommunizierenden Kulturen ist diese Indirektheit eine zusätzliche Hürde, die über rein sprachliche Kompetenz hinausgeht.
Was Mandarin-Chinesisch so schwer zu lernen macht
Mandarin-Chinesisch, die meistgesprochene Sprache der Welt, steht in den FSI-Rankings auf derselben Stufe wie Japanisch. Die Herausforderungen sind teilweise ähnlich, haben aber auch ganz eigene Ausprägungen, die das Chinesische zu einer einzigartigen Lernerfahrung machen.
Das Tonsystem ist für die meisten europäischen Lernenden die erste und oft hartnäckigste Hürde. Mandarin hat vier Töne plus einen neutralen Ton. Das bedeutet, dass die Silbe "ma" je nach Tonhöhe und Tonverlauf völlig unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Im ersten Ton (gleichbleibend hoch) bedeutet "ma" Mutter. Im zweiten Ton (ansteigend) bedeutet es Hanf oder Taubheit. Im dritten Ton (fallend-steigend) bedeutet es Pferd. Und im vierten Ton (scharf fallend) bedeutet es schelten oder schimpfen. Wer den falschen Ton verwendet, sagt also möglicherweise statt "Ich möchte meine Mutter besuchen" etwas wie "Ich möchte ein Pferd beschimpfen". Für Sprecher europäischer Sprachen, in denen die Tonhöhe zwar Emotionen und Fragezeichen signalisiert, aber keine Wortbedeutungen verändert, ist dieses Konzept grundlegend fremd. Es erfordert ein komplett neues Hörtraining, das Monate oder sogar Jahre dauern kann.
Das chinesische Schriftsystem stellt eine eigene Kategorie von Herausforderungen dar. Es gibt kein Alphabet im westlichen Sinne. Jedes Schriftzeichen steht für eine Silbe und eine Bedeutung, und es gibt Tausende davon. Um eine chinesische Zeitung zu lesen, benötigt man Kenntnis von etwa 3000 bis 4000 Zeichen. Gebildete Chinesen kennen in der Regel 6000 bis 8000 Zeichen. Jedes einzelne dieser Zeichen muss auswendig gelernt werden, es gibt keine Lautschrift, die man einfach "ablesen" könnte. Zwar gibt es das Pinyin-System, eine Umschrift in lateinischen Buchstaben mit Tonmarkierungen, das besonders Anfängern hilft. Im Alltag in China begegnet man Pinyin aber nur selten, etwa in U-Bahn-Stationen oder auf Straßenschildern, die auch für Ausländer gedacht sind.
Die Grammatik des Chinesischen ist dagegen in mancher Hinsicht einfacher als die europäischer Sprachen. Es gibt keine Konjugation, keine Deklination, keine Artikel und keinen grammatischen Plural. Ein Verb ändert seine Form nicht, egal ob es sich auf die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft bezieht. Zeitliche Bezüge werden durch Kontextwörter hergestellt, nicht durch Verbformen. Diese scheinbare Einfachheit ist aber trügerisch, denn sie bedeutet auch, dass der Kontext eine enorm wichtige Rolle spielt. Ohne die Fähigkeit, Kontexthinweise richtig zu deuten, versteht man chinesische Sätze schnell falsch, obwohl man jedes einzelne Wort kennt.
Eine weitere Schwierigkeit für Deutschsprachige ist die Tatsache, dass es im Chinesischen praktisch keine Verwandtschaft mit europäischen Sprachen gibt. Während man beim Lernen von Englisch, Französisch oder sogar Russisch immer wieder auf Wörter stößt, die einem bekannt vorkommen (sei es durch gemeinsame indoeuropäische Wurzeln oder durch Lehnwörter), ist beim Chinesischen jedes einzelne Wort komplett neu. Es gibt keine Brücken, keine Eselsbrücken, die sich aus der Ähnlichkeit der Sprachen ergeben. Alles muss von Grund auf aufgebaut werden, und das kostet Zeit.
Ist Arabisch wirklich eine der schwierigsten Sprachen
Arabisch wird in den FSI-Rankings ebenfalls in der höchsten Schwierigkeitskategorie geführt, und viele Lernende bestätigen aus eigener Erfahrung, dass diese Einstufung gerechtfertigt ist. Gleichzeitig ist Arabisch eine faszinierende Sprache mit einer reichen literarischen Tradition und enormer geopolitischer Bedeutung, was sie trotz ihrer Schwierigkeit zu einer der meistgelernten Sprachen weltweit macht.
Die arabische Schrift ist für westliche Lernende das erste sichtbare Hindernis. Sie wird von rechts nach links geschrieben, besteht aus 28 Buchstaben, und die meisten dieser Buchstaben ändern ihre Form je nachdem, ob sie am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes stehen. Zudem werden in der Alltagsschrift die kurzen Vokale in der Regel nicht geschrieben. Ein arabischer Text besteht also im Wesentlichen aus Konsonanten und langen Vokalen, während die kurzen Vokale vom Leser ergänzt werden müssen. Für Anfänger ist das, als müsste man im Deutschen "Haus" als "Hs" lesen und aus dem Kontext erschließen, ob "Haus", "Hase" oder "Hose" gemeint ist. In religiösen Texten und in Lehrmaterialien werden die Vokale zwar durch kleine Zeichen über und unter den Buchstaben angezeigt, im Alltag aber muss man ohne diese Hilfe auskommen.
Das arabische Wurzelsystem ist eine der faszinierendsten und gleichzeitig herausforderndsten Eigenschaften der Sprache. Die meisten arabischen Wörter lassen sich auf eine Wurzel aus drei Konsonanten zurückführen, aus der durch verschiedene Muster von Vokalen und Zusatzbuchstaben ganze Wortfamilien abgeleitet werden. Die Wurzel k-t-b zum Beispiel hat mit Schreiben zu tun. "Kitab" bedeutet Buch, "kataba" bedeutet er schrieb, "maktaba" bedeutet Bibliothek, "katib" bedeutet Schriftsteller, und "maktub" bedeutet geschrieben oder Schicksal. Wenn man dieses System einmal verstanden hat, eröffnet es enorme Möglichkeiten, neue Wörter zu erschließen. Bis man es aber verinnerlicht hat, kann es verwirrend sein, weil die Verbindungen zwischen den Wörtern nicht immer offensichtlich sind.
Die Grammatik des Arabischen ist komplex und reichhaltig. Verben werden nach Person, Geschlecht und Zahl konjugiert, und es gibt verschiedene Verbstämme, die die Bedeutung eines Verbs systematisch verändern. Der Grundstamm drückt die einfache Handlung aus, während abgeleitete Stämme kausative, reziproke, reflexive oder intensive Bedeutungen erzeugen. Dazu kommt ein duales Zahlsystem: Neben Einzahl und Mehrzahl gibt es eine eigene Form für genau zwei Dinge, den sogenannten Dual. Die Adjektive müssen in Geschlecht, Zahl und Bestimmtheit mit dem Substantiv übereinstimmen, das sie beschreiben, und die Regeln für gebrochene Plurale, bei denen sich die interne Struktur des Wortes verändert statt nur eine Endung angehängt zu werden, sind für Lernende eine eigene Lernaufgabe.
Ein weiterer Faktor, der das Arabischlernen verkompliziert, ist die Diglossie. Das Hocharabische, das in Büchern, Nachrichtensendungen und offiziellen Anlässen verwendet wird, unterscheidet sich erheblich von den gesprochenen Dialekten, die von Land zu Land und manchmal sogar von Stadt zu Stadt variieren. Ägyptisches Arabisch, Levantinisches Arabisch, Marokkanisches Arabisch und Golf-Arabisch sind so unterschiedlich, dass sich Sprecher verschiedener Dialekte manchmal nur schwer verstehen. Lernende stehen daher vor der Frage, ob sie zuerst Hocharabisch lernen sollen, das ihnen Zugang zu Medien und Literatur verschafft, oder einen gesprochenen Dialekt, der ihnen die Alltagskommunikation ermöglicht. Die meisten Sprachprogramme, auch bei ProLang, empfehlen einen kombinierten Ansatz, der beide Formen berücksichtigt.
Warum koreanische Grammatik so verwirrend ist
Koreanisch wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger beachtet als Japanisch oder Chinesisch, steht aber in den FSI-Rankings auf derselben Schwierigkeitsstufe. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Grammatik, die sich fundamental von der europäischen Grammatiklogik unterscheidet, und in einem Höflichkeitssystem, das noch ausgeprägter ist als das japanische.
Das koreanische Alphabet Hangul wird oft als einer der wenigen Lichtblicke für Lernende hervorgehoben. König Sejong der Große ließ es im 15. Jahrhundert systematisch entwickeln, um die Alphabetisierung des Volkes zu fördern. Es besteht aus 14 Grundkonsonanten und 10 Grundvokalen, die zu Silbenblöcken zusammengesetzt werden. Die Buchstaben spiegeln teilweise die Position der Zunge und des Mundes wider, was das Erlernen erleichtert. Ein motivierter Lernender kann Hangul in wenigen Tagen lesen lernen, was im Vergleich zu den chinesischen Schriftzeichen oder den japanischen Kanji ein enormer Vorteil ist. Allerdings ist die Fähigkeit, Hangul zu lesen, noch weit entfernt von der Fähigkeit, Koreanisch zu verstehen. Es ist ein bisschen so, als könnte man die Buchstaben des russischen Alphabets lesen, ohne ein Wort Russisch zu verstehen.
Die Grammatik des Koreanischen stellt Lernende aus Europa vor grundlegende Umstellungen. Wie im Japanischen steht das Verb am Ende des Satzes, und die Satzstruktur folgt dem Muster Subjekt-Objekt-Verb statt dem im Deutschen üblichen Subjekt-Verb-Objekt. Das bedeutet, dass ein Satz wie "Ich esse einen Apfel" im Koreanischen der Logik "Ich Apfel esse" folgt. Bei kurzen Sätzen ist das noch überschaubar, aber bei längeren und komplexeren Konstruktionen kann es für europäische Lernende sehr gewöhnungsbedürftig sein, den entscheidenden Teil des Satzes, nämlich das Verb, erst ganz am Ende zu hören.
Die koreanischen Höflichkeitsstufen sind ein eigenes Kapitel für sich. Es gibt mindestens sieben verschiedene Sprachebenen, die je nach sozialem Kontext, Alter der Gesprächspartner, Grad der Vertrautheit und formellen beziehungsweise informellen Situation gewählt werden müssen. Die Verbendungen ändern sich dabei vollständig. "Essen" kann auf Koreanisch als "meokda" (Grundform), "meokeoyo" (höflich informell), "meokseumnida" (höflich formell) oder "deuseyo" (respektvoll, wenn man über das Essen einer älteren Person spricht) ausgedrückt werden. Die falsche Stufe zu wählen ist in Korea ein sozialer Fauxpas, der von Koreanern zwar bei Ausländern meistens nachsichtig behandelt wird, der aber das Erlernen der Sprache um eine zusätzliche Dimension erweitert.
Koreanische Verben werden zudem durch eine Vielzahl von Suffixen modifiziert, die Bedeutungsnuancen ausdrücken, für die im Deutschen ganze Nebensätze nötig wären. Es gibt Suffixe für Vermutung, für Bedauern, für die Weitergabe von gehörten Informationen, für höfliche Aufforderungen und für viele weitere Funktionen. Diese Suffixe können auch kombiniert werden, was zu langen Verbketten führt, die für Anfänger kaum zu entschlüsseln sind. Ein einzelnes koreanisches Verbform kann Informationen über die Höflichkeitsstufe, die Zeitform, die Modalität und die Quelle der Information enthalten, alles in einer einzigen Wortkonstruktion.
Wie viele Stunden braucht man um jede Sprache zu lernen
Die Frage nach der Stundenanzahl ist eine der am häufigsten gestellten Fragen von Menschen, die eine neue Sprache lernen wollen. Das ist verständlich, denn wer vor einer großen Investition steht, will wissen, wie groß sie tatsächlich ist. Die FSI-Daten liefern hier die bekanntesten Schätzungen, aber es ist wichtig, sie richtig einzuordnen.
Die FSI-Stunden beziehen sich auf Unterrichtsstunden in einem intensiven Vollzeitprogramm, bei dem die Lernenden mehrere Stunden pro Tag mit professionellen Lehrkräften arbeiten, zusätzlich Selbststudium betreiben und im besten Fall in einer Umgebung leben, in der die Zielsprache gesprochen wird. Es handelt sich also um optimale Bedingungen, die im normalen Alltag selten gegeben sind. Ein berufstätiger Mensch, der zweimal pro Woche eine Stunde Sprachunterricht nimmt und zusätzlich vielleicht eine Stunde pro Tag selbst übt, wird deutlich länger brauchen als die FSI-Schätzungen nahelegen.
Für die Sprachen der Kategorie I, also Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und ähnliche, liegt die FSI-Schätzung bei 600 bis 750 Stunden. Bei drei Stunden Lernzeit pro Tag (inklusive Selbststudium) wäre das rechnerisch etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr. Bei einer realistischeren Lernzeit von einer Stunde pro Tag verlängert sich der Zeitrahmen auf anderthalb bis zwei Jahre. Für Kategorie II (Deutsch aus englischer Sicht) sind es etwa 900 Stunden, für Kategorie III (Russisch, Türkisch, Hindi) etwa 1100 Stunden, und für Kategorie IV (Japanisch, Chinesisch, Arabisch, Koreanisch) rund 2200 Stunden. Bei einer Stunde täglichem Lernen entspricht das für die schwierigsten Sprachen einem Zeitraum von etwa sechs Jahren.
Diese Zahlen sollten aber niemanden abschrecken. Sie beschreiben den Weg zu einem professionellen Arbeitsniveau, also zu einer Sprachkompetenz, die es erlaubt, komplexe Verhandlungen zu führen, Fachliteratur zu lesen und nuancierte Diskussionen zu verstehen. Für die meisten privaten oder beruflichen Zwecke reicht ein niedrigeres Niveau völlig aus. Wer eine Reise nach Japan plant, wer koreanische Fernsehserien im Original sehen möchte oder wer bei einer Geschäftsreise nach China grundlegende Höflichkeiten austauschen will, braucht keine 2200 Stunden. Ein funktionaler Grundwortschatz und ein Verständnis der grundlegenden Grammatik lassen sich in einem Bruchteil dieser Zeit aufbauen.
Außerdem ist die reine Stundenzahl nur ein Teil der Gleichung. Die Qualität des Lernens ist mindestens ebenso wichtig. Eine Stunde konzentrierter Arbeit mit einem guten Lehrer, gefolgt von aktivem Üben und Wiederholen, bringt mehr als drei Stunden passives Durchblättern eines Lehrbuchs. Regelmäßigkeit schlägt Intensität: Jeden Tag dreißig Minuten zu lernen ist effektiver als einmal pro Woche vier Stunden zu pauken. Und der Kontakt mit echten Muttersprachlern, sei es durch Konversationspartner, Medien oder Aufenthalte im Zielland, beschleunigt den Lernprozess erheblich.
Die am schwersten auszusprechenden Sprachen für Deutschsprachige
Die Aussprache ist ein Aspekt des Sprachenlernens, der oft unterschätzt wird. Viele Lernende konzentrieren sich zunächst auf Grammatik und Wortschatz und stellen erst später fest, dass sie zwar korrekte Sätze bilden können, aber von Muttersprachlern trotzdem kaum verstanden werden, weil ihre Aussprache zu weit vom Original abweicht. Für Deutschsprachige gibt es einige Sprachen, deren Lautsystem besonders große Herausforderungen bereithält.
Mandarin-Chinesisch steht auch hier an der Spitze. Das Tonsystem, bei dem die Bedeutung eines Wortes von der Tonhöhe und dem Tonverlauf abhängt, wurde bereits beschrieben. Für Deutschsprachige kommt erschwerend hinzu, dass die deutschen Ohren nicht darauf trainiert sind, Tonunterschiede als bedeutungsunterscheidend wahrzunehmen. Im Deutschen signalisiert ein steigender Ton eine Frage, ein fallender Ton eine Aussage, aber die eigentliche Wortbedeutung bleibt davon unberührt. Diese Gewohnheit abzulegen und stattdessen vier verschiedene Töne konsequent zu unterscheiden und zu produzieren, erfordert ein systematisches Hörtraining, das viele Monate in Anspruch nehmen kann.
Arabisch stellt Deutschsprachige vor Probleme mit den sogenannten pharyngalen und uvularen Lauten, die im Deutschen nicht vorkommen. Der arabische Buchstabe "Ayn" zum Beispiel wird mit einer Verengung im Rachen produziert, die europäischen Sprechern zunächst unmöglich erscheint. Ähnlich verhält es sich mit den emphatischen Konsonanten, bei denen die Zunge eine andere Position einnimmt als bei ihren nicht-emphatischen Gegenstücken. Der Unterschied zwischen einem normalen "t" und dem emphatischen "T" mag für deutsche Ohren kaum hörbar sein, ist im Arabischen aber bedeutungsunterscheidend.
Vietnamesisch, das zwar nicht in der höchsten FSI-Kategorie steht, ist in Bezug auf die Aussprache eine der anspruchsvollsten Sprachen überhaupt. Es hat sechs Töne, also noch mehr als Mandarin, und verfügt über zahlreiche Vokale und Konsonantenverbindungen, die im Deutschen keine Entsprechung haben. Die Unterschiede zwischen bestimmten vietnamesischen Lauten sind für untrainierte europäische Ohren so subtil, dass Anfänger oft nicht einmal hören können, welchen Ton ein Muttersprachler gerade verwendet, geschweige denn ihn nachahmen.
Auch Sprachen aus anderen Sprachfamilien können aussprachtechnisch herausfordernd sein. Das Tschechische mit seinem berühmten Konsonanten "ř", einer Art gerolltem R mit gleichzeitigem Zischlaut, gilt selbst unter Slawen als schwierig zu produzieren. Das Georgische mit seinen Konsonantenclustern, bei denen drei oder mehr Konsonanten ohne Vokal aufeinanderfolgen, stellt die Sprechmuskulatur vor ungewohnte Aufgaben. Und die Klicklaute der Khoisan-Sprachen im südlichen Afrika sind für europäische Sprecher ein völlig neues Terrain, da es sich um Lauttypen handelt, die in keiner europäischen Sprache vorkommen.
Die gute Nachricht ist, dass die Aussprache ein Bereich ist, in dem gezieltes Training große Fortschritte ermöglicht. Anders als bei der Grammatik, wo man abstrakte Regeln verstehen und anwenden muss, ist die Aussprache vor allem eine Frage der Muskelkontrolle und des Hörvermögens. Beides lässt sich durch regelmäßiges Üben mit Muttersprachlern und durch bewusstes Hörtraining verbessern. Viele Sprachschulen bieten inzwischen spezielle Phonetikkurse an, die sich gezielt den schwierigsten Lauten einer Sprache widmen.
Sprachen mit den komplexesten Schriftsystemen
Das Schriftsystem einer Sprache kann den Lernprozess erheblich beschleunigen oder verlangsamen. Sprachen, die das lateinische Alphabet verwenden, bieten Deutschsprachigen einen enormen Startvorteil, da die Grundlagen des Lesens und Schreibens bereits vorhanden sind. Bei Sprachen mit eigenen Schriftsystemen beginnt das Lernen dagegen mit einer zusätzlichen Hürde, die je nach System Tage, Wochen oder Monate in Anspruch nehmen kann.
Das chinesische Schriftsystem ist in Bezug auf die reine Zeichenanzahl das umfangreichste, das heute in Gebrauch ist. Es gibt keine definitive Gesamtzahl chinesischer Schriftzeichen, Schätzungen reichen von 50.000 bis über 80.000, wobei die allermeisten davon extrem selten oder historisch sind. Für die praktische Verwendung im Alltag reichen etwa 3000 bis 4000 Zeichen aus, was aber immer noch eine gewaltige Lernaufgabe darstellt. Jedes Zeichen besteht aus einer bestimmten Anzahl von Strichen, die in einer festgelegten Reihenfolge geschrieben werden müssen. Einfache Zeichen wie "yi" (eins) bestehen aus einem einzigen Strich, komplexere Zeichen können dreißig oder mehr Striche umfassen. Das Zeichen für "Depression" etwa besteht aus 29 Strichen und ist selbst für chinesische Muttersprachler schwer aus dem Gedächtnis zu schreiben.
Das japanische Schriftsystem ist, wie bereits erwähnt, durch die Kombination von drei verschiedenen Systemen besonders komplex. Hinzu kommt, dass japanische Texte traditionell von oben nach unten und von rechts nach links gelesen werden, obwohl in modernen Texten auch die horizontale Leserichtung von links nach rechts verbreitet ist. Die Entscheidung, wann Kanji, wann Hiragana und wann Katakana verwendet werden, folgt bestimmten Konventionen, die nicht immer eindeutig sind. Fremdwörter werden in der Regel in Katakana geschrieben, grammatische Elemente in Hiragana und bedeutungstragende Wörter in Kanji, aber es gibt zahlreiche Ausnahmen und stilistische Variationen.
Die Devanagari-Schrift, die unter anderem für Hindi, Sanskrit, Marathi und Nepali verwendet wird, ist ein Alphabet von mittlerer Komplexität. Sie besteht aus 47 Grundzeichen (13 Vokale und 34 Konsonanten), die sich aber durch Kombinationen und diakritische Zeichen vervielfachen. Ein besonderes Merkmal von Devanagari ist die horizontale Linie am oberen Rand der Buchstaben, die die Wörter verbindet und ihnen ihr charakteristisches Erscheinungsbild gibt. Für Deutschsprachige ist Devanagari einfacher zu erlernen als chinesische Schriftzeichen, da es sich um ein phonetisches System handelt, bei dem die Zeichen für bestimmte Laute stehen und nicht für ganze Wörter oder Konzepte.
Die koreanische Schrift Hangul wurde bereits als vergleichsweise lernfreundlich beschrieben. Äthiopische Schrift (Ge'ez), die für Amharisch und andere äthiopische Sprachen verwendet wird, ist ein weiteres interessantes System, bei dem jedes Zeichen eine Silbe darstellt und Vokale durch Modifikationen der Grundform angezeigt werden. Insgesamt gibt es über 200 Zeichen, was deutlich mehr ist als in den meisten alphabetischen Systemen, aber weniger als in den chinesischen oder japanischen Schriftsystemen.
Für Lernende, die mit einem neuen Schriftsystem beginnen, gibt es eine wichtige Empfehlung: Das Schriftsystem sollte von Anfang an mitgelernt werden, nicht als separate Aufgabe, die man auf später verschiebt. Wer nur mit Umschriften arbeitet, entwickelt zwar schneller mündliche Fähigkeiten, baut aber eine Abhängigkeit auf, die später schwer zu überwinden ist. Umschriften wie Pinyin für Chinesisch oder Romaji für Japanisch sind nützliche Hilfsmittel, sollten aber so früh wie möglich durch die Originale ersetzt werden.
Gibt es objektiv schwierigere Sprachen als andere
Diese Frage berührt ein grundlegendes Thema der Linguistik, das seit Jahrzehnten diskutiert wird. Die kurze Antwort lautet: Es gibt keine Sprache, die für alle Menschen gleich schwierig ist. Die lange Antwort ist differenzierter und lohnt eine nähere Betrachtung.
Aus linguistischer Sicht sind alle natürlichen Sprachen gleich komplex. Was eine Sprache an grammatischer Komplexität einspart, gleicht sie an anderer Stelle aus. Das Chinesische hat keine Konjugation, dafür aber ein Tonsystem und Tausende von Schriftzeichen. Das Englische hat eine relativ einfache Morphologie, dafür aber eine orthografische Inkonsistenz, die selbst Muttersprachler zur Verzweiflung treiben kann. Das Finnische hat fünfzehn Kasus, dafür aber eine sehr regelmäßige Aussprache und kaum Ausnahmen in der Grammatik. Jede Sprache verteilt ihre Komplexität anders, aber keine ist insgesamt "einfacher" oder "schwieriger" als eine andere.
Was sich sehr wohl messen lässt, ist der Aufwand, den ein bestimmter Lernender für eine bestimmte Sprache aufbringen muss. Und hier spielt die Verwandtschaft der Sprachen die entscheidende Rolle. Sprachen, die derselben Sprachfamilie angehören, teilen Wortschatz, Grammatikstrukturen und phonologische Muster, was den Lernprozess erheblich erleichtert. Ein Deutschsprachiger lernt Niederländisch schneller als Ungarisch, nicht weil Niederländisch eine "einfachere" Sprache wäre, sondern weil Deutsch und Niederländisch eng verwandt sind und zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen.
Die typologische Distanz zwischen zwei Sprachen ist der wichtigste Prädiktor für die Lernschwierigkeit. Diese Distanz lässt sich anhand verschiedener Parameter messen: Wortschatzüberschneidung, grammatische Ähnlichkeit, phonologische Nähe und die Verwandtschaft der Schriftsysteme. Je größer die Distanz in all diesen Dimensionen, desto mehr Zeit und Aufwand wird ein Lernender investieren müssen. Aus dieser Perspektive ist es kein Zufall, dass die FSI-Kategorien stark mit der genetischen Verwandtschaft der Sprachen korrelieren: Die "leichtesten" Sprachen für Englischsprachige sind die, die am nächsten mit dem Englischen verwandt sind.
Es gibt allerdings auch sprachliche Eigenschaften, die unabhängig von der Verwandtschaft als herausfordernd gelten. Tonsysteme sind für Sprecher aller nicht-tonalen Sprachen schwierig, nicht nur für Europäer. Komplexe Morphologie, bei der ein einzelnes Wort so viele Informationen enthält, dass es einem ganzen Satz in anderen Sprachen entspricht (wie in einigen polysynthetischen Sprachen Nordamerikas), stellt Lernende aus allen Sprachfamilien vor Probleme. Und Schriftsysteme mit Tausenden von Zeichen erfordern überall auf der Welt mehr Lernzeit als alphabetische Systeme mit zwei bis drei Dutzend Buchstaben.
Die Frage nach der objektiven Schwierigkeit ist also nicht mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Es gibt keine Sprache, die für alle gleich schwer ist, aber es gibt sprachliche Merkmale, die für die meisten Lernenden zusätzlichen Aufwand bedeuten. Und es gibt die messbare Distanz zwischen Ausgangs- und Zielsprache, die den wichtigsten Faktor für die individuelle Lernschwierigkeit darstellt.
Die einfachsten Fremdsprachen und warum sie leichter sind
Ein Artikel über die schwierigsten Sprachen wäre unvollständig ohne einen Blick auf die andere Seite des Spektrums. Denn die Faktoren, die Sprachen schwierig machen, wirken auch in umgekehrter Richtung: Verwandtschaft, ähnlicher Wortschatz und vertraute Grammatikstrukturen machen das Lernen leichter und schneller.
Für Deutschsprachige sind die germanischen Nachbarsprachen die naheliegendsten Kandidaten für einen schnellen Lernerfolg. Niederländisch steht ganz oben auf der Liste, denn es ist die nächste Verwandte des Deutschen unter den Standardsprachen. Wer Deutsch spricht und ein wenig Englisch kann, wird niederländische Texte zu einem großen Teil bereits beim ersten Kontakt verstehen können. Wörter wie "huis" (Haus), "boek" (Buch) oder "water" (Wasser) sind so offensichtlich verwandt, dass sie keiner Erklärung bedürfen. Die Grammatik ist etwas einfacher als die deutsche, da das Niederländische nur zwei grammatische Geschlechter hat statt drei und das Kasussystem weitgehend abgebaut ist.
Skandinavische Sprachen, insbesondere Norwegisch und Schwedisch, sind für Deutschsprachige ebenfalls vergleichsweise zugänglich. Die Verwandtschaft ist nicht ganz so eng wie beim Niederländischen, aber doch deutlich spürbar. Viele Grundwörter sind ähnlich, und die Grammatik folgt in ihren Grundzügen einer vergleichbaren Logik. Die Aussprache kann allerdings gewöhnungsbedürftig sein, besonders das schwedische Tonsystem oder die norwegischen Dialektunterschiede. Insgesamt bleiben diese Sprachen aber im Bereich des relativ leicht Erlernbaren.
Unter den romanischen Sprachen ist für Deutschsprachige vor allem das Französische gut erreichbar, trotz seiner auf den ersten Blick komplizierten Aussprache. Der Grund liegt im gemeinsamen lateinischen und germanischen Erbe: Durch die historischen Kontakte zwischen Französisch und Deutsch gibt es in beiden Sprachen zahlreiche Lehnwörter, und viele internationale Fachbegriffe sind aus dem Französischen oder Lateinischen abgeleitet. Spanisch und Italienisch bieten ähnliche Vorteile, wobei die regelmäßige Aussprache des Spanischen und Italienischen (man spricht im Wesentlichen, was man schreibt) einen zusätzlichen Pluspunkt darstellt.
Englisch, das die meisten Deutschsprachigen bereits als erste Fremdsprache lernen, gehört natürlich ebenfalls zu den leichteren Sprachen. Allerdings sollte man die Schwierigkeiten des Englischen nicht unterschätzen. Die Rechtschreibung ist berüchtigt unregelmäßig, die Phonetik voller Fallen ("through", "though", "thought", "thorough" sehen ähnlich aus, werden aber völlig unterschiedlich ausgesprochen), und die scheinbar einfache Grammatik hat zahlreiche Feinheiten, die erst auf fortgeschrittenem Niveau sichtbar werden. Dennoch bleibt Englisch für Deutschsprachige eine der am schnellsten erlernbaren Sprachen, weil die germanische Verwandtschaft und der alltägliche Kontakt mit der englischen Sprache durch Medien und Internet den Lernprozess enorm unterstützen.
Esperanto, die bekannteste Plansprache, verdient eine Erwähnung als Sonderfall. Diese Sprache wurde bewusst so gestaltet, dass sie für Sprecher europäischer Sprachen möglichst leicht zu erlernen ist. Die Grammatik ist völlig regelmäßig, es gibt keine Ausnahmen, und der Wortschatz stammt überwiegend aus romanischen und germanischen Sprachen. Studien haben gezeigt, dass Lernende Esperanto in einem Bruchteil der Zeit lernen können, die für natürliche Sprachen nötig ist. Allerdings hat Esperanto als künstliche Sprache eine begrenzte Sprechergemeinschaft und keine eigene Kultur im traditionellen Sinne, was seine praktische Nützlichkeit einschränkt.
Wie man eine Sprache der Kategorie IV erfolgreich lernt
Die Tatsache, dass Sprachen wie Japanisch, Chinesisch oder Arabisch als besonders schwierig eingestuft werden, bedeutet nicht, dass sie unerlernbar wären. Millionen von Menschen weltweit haben diese Sprachen erfolgreich gelernt, darunter viele, die als Erwachsene angefangen haben. Der Schlüssel liegt nicht in einer besonderen Begabung, sondern in der richtigen Strategie, der nötigen Ausdauer und realistischen Erwartungen.
Der erste und vielleicht wichtigste Ratschlag für das Lernen einer Kategorie-IV-Sprache ist die Akzeptanz der Zeitdimension. Wer Japanisch oder Arabisch lernt, muss verstehen, dass es sich um ein Langzeitprojekt handelt. Die Erwartung, nach einem halben Jahr flüssig zu sprechen, wird zwangsläufig zu Frustration führen. Realistischere Meilensteine wären: nach drei Monaten die Grundlagen des Schriftsystems beherrschen und einfache Alltagssätze verstehen, nach einem Jahr einfache Gespräche führen und kurze Texte lesen können, nach zwei bis drei Jahren sich in den meisten Alltagssituationen verständigen können und nach fünf Jahren ein Niveau erreicht haben, das für berufliche Zwecke ausreicht. Diese Zeitrahmen gelten bei regelmäßigem, strukturiertem Lernen, idealerweise mit professioneller Unterstützung.
Struktur ist der zweite entscheidende Faktor. Bei Sprachen mit hohem Schwierigkeitsgrad ist selbstorganisiertes Lernen allein selten ausreichend. Ein guter Sprachkurs oder ein qualifizierter Privatlehrer kann den Unterschied machen zwischen produktivem Fortschritt und frustrierendem Stillstand. Die Lehrkraft kann Fehler korrigieren, die der Lernende selbst nicht bemerkt, kulturelle Kontexte erklären und den Lernstoff in einer sinnvollen Reihenfolge vermitteln. Wer nach einer strukturierten Möglichkeit sucht, kann eine kostenlose Probestunde vereinbaren und herausfinden, welcher Lernansatz am besten zu den eigenen Zielen passt.
Das Eintauchen in die Sprache, auch bekannt als Immersion, ist bei Kategorie-IV-Sprachen besonders wichtig. Da diese Sprachen so weit vom Deutschen entfernt sind, reicht das bloße Lernen von Regeln und Vokabeln nicht aus. Man muss die Sprache in ihrem natürlichen Kontext erleben, um ein Gefühl für Rhythmus, Intonation und Sprachmelodie zu entwickeln. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man ins Ausland ziehen muss. Auch von Deutschland aus kann man sich eine immersive Umgebung schaffen: durch das Hören von Podcasts und Radio in der Zielsprache, durch das Schauen von Filmen und Serien ohne Untertitel (oder mit Untertiteln in der Zielsprache), durch das Lesen von Zeitungsartikeln und Büchern und durch regelmäßige Gespräche mit Muttersprachlern, sei es persönlich oder online.
Ein oft übersehener Aspekt ist die Rolle der Fehlertoleranz. Wer eine Kategorie-IV-Sprache lernt, wird unvermeidlich viele Fehler machen, und zwar über einen langen Zeitraum hinweg. Die Bereitschaft, trotz Fehlern weiterzusprechen und sich nicht von Missverständnissen entmutigen zu lassen, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Perfektionismus ist beim Sprachenlernen kontraproduktiv. Es ist besser, einen Satz mit zwei Fehlern zu sagen, als aus Angst vor Fehlern gar nichts zu sagen.
Technologische Hilfsmittel haben das Lernen von Kategorie-IV-Sprachen in den letzten Jahren erheblich erleichtert. Spaced-Repetition-Systeme wie Anki ermöglichen es, Tausende von Schriftzeichen systematisch zu memorieren, ohne den Überblick zu verlieren. Sprach-Apps bieten tägliches Übungsmaterial in kleinen, verdaulichen Portionen. Online-Wörterbücher mit Handschrifterkennung machen es möglich, unbekannte Zeichen nachzuschlagen, indem man sie mit dem Finger auf dem Bildschirm zeichnet. Und Videokonferenz-Tools ermöglichen Konversationsübungen mit Muttersprachlern auf der ganzen Welt, ohne das Haus verlassen zu müssen. All diese Werkzeuge ersetzen keinen guten Lehrer, ergänzen den strukturierten Unterricht aber auf wertvolle Weise.
Spielt der Schwierigkeitsgrad bei der Sprachwahl wirklich eine Rolle
Am Ende dieses Überblicks über die schwierigsten (und leichtesten) Sprachen der Welt stellt sich die Frage, wie viel Gewicht der Schwierigkeitsgrad bei der Entscheidung für eine Sprache tatsächlich haben sollte. Die Antwort ist, wie so oft beim Thema Sprachen: Es kommt darauf an, was man mit der Sprache erreichen möchte.
Wenn das Ziel ist, möglichst schnell eine Fremdsprache auf einem brauchbaren Niveau zu sprechen, dann ist der Schwierigkeitsgrad ein relevanter Faktor. Wer in sechs Monaten eine Fremdsprache lernen möchte, wird mit Spanisch deutlich bessere Ergebnisse erzielen als mit Japanisch. Das liegt nicht daran, dass Spanisch eine "bessere" Sprache wäre, sondern schlicht daran, dass die Lerndauer kürzer ist und die Motivation durch schnellere Erfolgserlebnisse leichter aufrechterhalten werden kann.
Wenn das Ziel aber ein berufliches ist, sieht die Rechnung anders aus. Sprachen wie Chinesisch, Arabisch und Japanisch gehören zu den gefragtesten Sprachen auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Gerade weil sie so schwierig sind, gibt es vergleichsweise wenige westliche Fachkräfte, die sie wirklich beherrschen. Wer es schafft, eine dieser Sprachen auf einem professionellen Niveau zu sprechen, hat auf dem Arbeitsmarkt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. In Bereichen wie Diplomatie, internationaler Handel, Übersetzung, Journalismus und Entwicklungszusammenarbeit sind Kenntnisse in Kategorie-IV-Sprachen nicht nur nützlich, sondern oft entscheidend für die Karriere.
Auch die persönliche Motivation spielt eine zentrale Rolle. Die Forschung zum Sprachenlernen zeigt immer wieder, dass die Motivation der wichtigste einzelne Faktor für den Lernerfolg ist, wichtiger als Talent, wichtiger als die Methode und wichtiger als die Intensität des Unterrichts. Wer eine Sprache aus echtem Interesse lernt, sei es aus Faszination für die Kultur, aus Liebe zu einem Menschen, aus Begeisterung für die Literatur oder aus dem Wunsch, ein bestimmtes Land zu bereisen, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit durchhalten als jemand, der eine Sprache nur wählt, weil sie als "leicht" gilt.
Die Geschichte des Sprachenlernens ist voller Beispiele von Menschen, die Sprachen gemeistert haben, die als nahezu unerlernbar galten. Der britische Linguist und Diplomat Harold Nicolson berichtete im frühen 20. Jahrhundert von Kollegen, die fließend Chinesisch sprachen, obwohl sie die Sprache erst als Erwachsene gelernt hatten. Der deutsche Orientalist Hans Wehr, dessen arabisch-englisches Wörterbuch bis heute ein Standardwerk ist, erlernte Arabisch in einer Zeit, in der es keine Sprach-Apps, keine Podcasts und keine Online-Tutoren gab. Diese Beispiele zeigen, dass der Schwierigkeitsgrad einer Sprache eine Hürde ist, aber keine Mauer.
Letztlich ist die Wahl einer Sprache eine zutiefst persönliche Entscheidung. Der Schwierigkeitsgrad ist ein Faktor, der bei der Planung berücksichtigt werden sollte, der aber niemals der einzige oder auch nur der wichtigste Faktor sein sollte. Wer sich für eine schwierige Sprache entscheidet, sollte sich auf einen langen Weg einstellen, sich professionelle Unterstützung suchen und realistische Erwartungen haben. Aber er oder sie sollte sich auch bewusst sein, dass der Weg selbst, das Eintauchen in eine fremde Denkweise, die Entdeckung neuer kultureller Horizonte und die Erweiterung des eigenen geistigen Kosmos, zu den lohnendsten intellektuellen Abenteuern gehört, die das Leben zu bieten hat. Keine Sprache ist zu schwer, um sie zu lernen. Manche brauchen nur etwas mehr Zeit, etwas mehr Geduld und etwas mehr Entschlossenheit als andere.
Häufige Fragen
Welche Sprache ist die schwierigste der Welt?
Die Schwierigkeit hängt immer von der eigenen Muttersprache ab. Für Englischsprachige stuft das FSI Japanisch als die zeitintensivste Sprache ein, mit rund 2200 Unterrichtsstunden. Für Deutschsprachige zählen Japanisch, Chinesisch und Arabisch ebenfalls zu den anspruchsvollsten Sprachen wegen ihrer völlig anderen Schriftsysteme und Grammatikstrukturen.
Wie viele Stunden braucht man für Spanisch im Vergleich zu Chinesisch?
Das FSI schätzt, dass Englischsprachige etwa 600 bis 750 Stunden für Spanisch benötigen, verglichen mit 2200 Stunden für Mandarin-Chinesisch. Für Deutschsprachige ist Spanisch als romanische Sprache ebenfalls deutlich schneller erlernbar als Chinesisch mit seinem Tonsystem und den Schriftzeichen.
Lohnt es sich eine schwierige Sprache zu lernen?
Auf jeden Fall. Sprachen, die als besonders schwierig gelten, wie Chinesisch, Arabisch und Japanisch, gehören gleichzeitig zu den gefragtesten im internationalen Geschäft, in der Diplomatie und im Uebersetzungswesen. Fachkräfte, die diese Sprachen beherrschen, sind auf dem Arbeitsmarkt gerade wegen ihrer Seltenheit besonders gefragt.
Beeinflusst das Alter wie schwer eine Sprache zu lernen ist?
Das Alter verändert die Art des Lernens, nicht die Fähigkeit zu lernen. Erwachsene brauchen länger für eine muttersprachliche Aussprache, erfassen aber Grammatik und Wortschatz oft schneller als Kinder, weil sie analytisch vorgehen können. Menschen jeden Alters können bei regelmaessigem Üben auch in den schwierigsten Sprachen ein hohes Niveau erreichen.