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Englisch für akademische Zwecke (EAP): Der vollständige Leitfaden für die Universität

Englisch für akademische Zwecke (EAP): Der vollständige Leitfaden für die Universität

Lena hatte sich monatelang auf diesen Moment vorbereitet. Ihr Zulassungsbescheid von der University of Edinburgh lag gerahmt auf ihrem Schreibtisch, die Flüge waren gebucht, und das Zimmer im Studentenwohnheim war reserviert. Doch als sie in ihrer ersten Vorlesung sass und der Professor über "epistemological frameworks in postcolonial discourse" sprach, verstand sie kaum ein Wort. Nicht, weil ihr Englisch schlecht war. Lena hatte ein B2-Zertifikat, konnte problemlos Netflix auf Englisch schauen und hatte sich in London mühelos durchgeschlagen. Aber akademisches Englisch war eine völlig andere Welt. Die Fachbegriffe, die verschachtelten Satzstrukturen, die unausgesprochenen Erwartungen an ihre Essays. All das fühlte sich an wie eine Fremdsprache innerhalb einer Fremdsprache.

Lenas Geschichte ist kein Einzelfall. Jedes Jahr stehen Tausende internationaler Studierender vor genau dieser Herausforderung. Sie beherrschen Alltagsenglisch, scheitern aber an den spezifischen Anforderungen der akademischen Welt. Genau hier setzt English for Academic Purposes (EAP) an. Ein Bereich des Englischunterrichts, der gezielt auf das vorbereitet, was Universitäten tatsächlich von ihren Studierenden erwarten. In Deutschland ist die Nachfrage nach EAP-Kursen in den letzten Jahren stark gestiegen, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Zahl englischsprachiger Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie akademisches Englisch meistern. Von der richtigen Essaystruktur über kritisches Denken bis hin zu Präsentationstechniken. Alles, was Sie brauchen, um nicht nur zu bestehen, sondern an einer englischsprachigen Universität wirklich erfolgreich zu sein.

Was ist EAP und wer braucht es

English for Academic Purposes, kurz EAP, ist ein spezialisierter Bereich des Englischunterrichts, der sich auf die sprachlichen Fähigkeiten konzentriert, die für ein Studium an einer englischsprachigen Hochschule notwendig sind. Anders als allgemeine Englischkurse, die auf Kommunikation im Alltag abzielen, bereitet EAP gezielt auf die Anforderungen des universitären Umfelds vor. Der Unterschied ist vergleichbar mit dem zwischen einem Führerschein für den Stadtverkehr und einer Rennlizenz: Beides ist Autofahren, aber die Anforderungen sind grundverschieden.

Die Zielgruppe ist breit gefächert. Internationale Studierende, die ein Bachelor- oder Masterstudium im Ausland planen, stehen natürlich an erster Stelle. Aber EAP ist auch relevant für Doktoranden, die ihre Dissertationen auf Englisch verfassen müssen. Für Wissenschaftler, die in internationalen Fachzeitschriften publizieren wollen. Für Berufstätige, die einen MBA oder ein anderes postgraduales Programm anstreben. Und für alle, die an internationalen Konferenzen teilnehmen oder Forschungsergebnisse auf Englisch präsentieren möchten.

In Zahlen ausgedrückt: Über 5 Millionen Studierende weltweit absolvieren ihr Studium in einem Land, dessen Sprache nicht ihre Muttersprache ist. Die Mehrheit davon studiert auf Englisch. Universitäten in Grossbritannien, den USA, Kanada, Australien und zunehmend auch in den Niederlanden, Skandinavien und Deutschland bieten englischsprachige Programme an. Selbst wer in Deutschland bleibt, kommt um akademisches Englisch kaum herum. Internationale Masterstudiengänge, englischsprachige Seminare und die Notwendigkeit, englische Fachliteratur zu lesen, machen EAP-Kompetenzen fast überall unverzichtbar. An der TU München, der Humboldt-Universität oder der LMU gibt es mittlerweile Dutzende Masterstudiengänge, die vollständig auf Englisch unterrichtet werden.

EAP deckt vier zentrale Kompetenzbereiche ab: akademisches Schreiben (Essays, Hausarbeiten, Forschungsberichte), akademisches Lesen (Fachartikel, Lehrbücher, Studien), akademisches Hören (Vorlesungen, Seminare, Diskussionen) und akademisches Sprechen (Präsentationen, Seminarbeiträge, mündliche Prüfungen). Jeder dieser Bereiche hat eigene Konventionen, eigene Sprachmuster und eigene Erwartungen, die sich erheblich von der Alltagssprache unterscheiden. Ein Studierender, der B2-Niveau im allgemeinen Englisch hat, kann im akademischen Kontext trotzdem auf A2-Niveau sein, wenn er die spezifischen Konventionen nicht kennt.

Wie sich EAP vom allgemeinen Englisch unterscheidet

Stellen Sie sich vor, Sie beschreiben einem Freund ein Experiment. "Wir haben getestet, ob Pflanzen schneller wachsen, wenn man mit ihnen redet. Und ja, die mit Musik sind tatsächlich größer geworden!" Jetzt vergleichen Sie das mit der akademischen Version: "The present study investigated the effect of auditory stimulation on plant growth rates. Results indicated a statistically significant increase in biomass (p < 0.05) in the experimental group exposed to musical frequencies."

Der Unterschied ist offensichtlich. Es geht nicht einfach um schwierigere Vokabeln. Akademisches Englisch folgt grundlegend anderen Regeln als die Alltagssprache.

Erstens: der Ton. Akademisches Englisch ist formal, unpersönlich und präzise. Kontraktionen wie "don't" oder "can't" sind tabu. Umgangssprache und emotionale Ausdrücke haben keinen Platz. Statt "I think this is a great idea" schreibt man "This approach offers considerable potential." Diese Formalität mag für deutschsprachige Studierende zunächst fremd wirken, ist aber an angelsächsischen Universitäten eine absolute Grundvoraussetzung. Viele Professoren geben allein für den falschen Ton Punktabzüge.

Zweitens: die Struktur. Akademische Texte folgen strengen Aufbauregeln. Ein Essay hat Einleitung, Hauptteil und Schluss. Ein Forschungsbericht folgt dem IMRAD-Schema (Introduction, Methods, Results, and Discussion). Jeder Absatz braucht einen klaren Themensatz, Belege und eine Überleitung zum nächsten Gedanken. Diese Strukturvorgaben sind keine Empfehlungen, sondern feste Konventionen, deren Nichteinhaltung als Zeichen mangelnder akademischer Kompetenz gewertet wird.

Drittens: die Beweisführung. Im Alltag reicht es zu sagen "Ich glaube, das stimmt." In der akademischen Welt muss jede Behauptung mit Quellen belegt werden. Meinungen ohne Evidenz gelten als unwissenschaftlich. Das verändert nicht nur den Schreibstil, sondern das gesamte Denkmuster.

Viertens: der Wortschatz. Akademisches Englisch verwendet einen spezifischen Wortschatz, der im Alltag selten vorkommt. Wörter wie "paradigm", "methodology", "implications", "correlate" oder "juxtapose" sind in Vorlesungen und Fachartikeln allgegenwärtig, tauchen aber in keinem Alltagsgespräch auf. Dazu kommen fachspezifische Begriffe, die je nach Studiengang variieren. Ein Medizinstudent braucht andere Vokabeln als ein Literaturwissenschaftler.

Fünftens: die Hedging-Sprache. Akademiker drücken sich bewusst vorsichtig aus. Statt absoluter Aussagen verwenden sie Formulierungen wie "This suggests that...", "It appears that...", "The evidence indicates..." oder "There is a tendency towards...". Diese sogenannte Hedging-Sprache signalisiert wissenschaftliche Vorsicht und ist eines der Markenzeichen akademischen Schreibens. Deutsche Studierende, die an einen direkteren Kommunikationsstil gewöhnt sind, empfinden diese Vorsicht manchmal als unnötig. Aber sie ist zentral für akademische Glaubwürdigkeit.

Wer diese Unterschiede nicht kennt, wird selbst mit exzellentem Alltagsenglisch in der Universität Schwierigkeiten haben. Genau deshalb ist eine gezielte EAP-Vorbereitung so wichtig.

Akademisches Schreiben: Struktur und Stil

Akademisches Schreiben ist die Disziplin, die den meisten Studierenden die größten Schwierigkeiten bereitet. Und das aus gutem Grund. Es verlangt nicht nur sprachliche Kompetenz, sondern auch ein Verständnis für wissenschaftliche Konventionen, logische Argumentation und präzise Ausdrucksweise. Für deutschsprachige Studierende kommt hinzu, dass der akademische Schreibstil im Englischen deutlich anders ist als im Deutschen. Deutsche akademische Texte neigen zu langen, verschachtelten Sätzen und einem eher abstrakten Stil. Englische akademische Texte bevorzugen kürzere Sätze, klare Argumentation und konkrete Beispiele.

Der Grundbaustein jedes akademischen Textes ist der Absatz. Ein guter akademischer Absatz beginnt mit einem Themensatz (topic sentence), der die Hauptaussage des Absatzes vorwegnimmt. Dann folgen Belege, Beispiele oder Erklärungen, die diese Aussage stützen. Am Ende steht ein Übergangssatz, der zum nächsten Absatz überleitet. Dieses Muster wiederholt sich durch den gesamten Text. Es ist einfach zu beschreiben, aber in der Praxis erfordert es Übung, bis es zur zweiten Natur wird.

Für Essays hat sich eine bewährte Struktur etabliert. Die Einleitung beginnt breit mit dem Thema, verengt sich dann und endet mit der These (thesis statement), also der zentralen Aussage oder Fragestellung des Essays. Der Hauptteil besteht aus mehreren Absätzen, die jeweils einen Aspekt der These beleuchten. Der Schluss fasst die Argumentation zusammen, ohne neue Informationen einzuführen, und ordnet die Ergebnisse in einen größeren Kontext ein.

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von beschreibendem und analytischem Schreiben. Beschreibend heißt: "Smith (2019) found that students who studied abroad performed better on language tests." Analytisch heißt: "Smith's (2019) finding that study-abroad students outperformed their peers on language tests may be attributed to increased exposure to authentic input, though the study's small sample size limits generalizability." Der Unterschied? Analyse geht über die blosse Wiedergabe hinaus und bewertet, hinterfragt und kontextualisiert. Viele Studierende scheitern daran, weil sie denken, es reiche, Quellen zusammenzufassen. Aber ein guter akademischer Text verlangt immer auch Bewertung und Einordnung.

Einige praktische Tipps für besseres akademisches Schreiben: Verwenden Sie die dritte Person statt der ersten ("It can be argued" statt "I think"). Setzen Sie Signalwörter ein, die den Leser durch Ihre Argumentation führen ("Furthermore", "However", "Consequently", "In contrast"). Vermeiden Sie vage Formulierungen und ersetzen Sie sie durch präzise Aussagen ("many studies" wird zu "several recent meta-analyses, including Chen et al. (2022)"). Und halten Sie Ihre Sätze klar und direkt. Verschachtelte Satzungetüme mögen beeindruckend klingen, erschweren aber das Verständnis.

Besonders wichtig ist auch die Überarbeitung. Professionelle Akademiker schreiben selten einen Text in einem Durchgang. Der erste Entwurf dient dazu, Gedanken zu ordnen. Die zweite Fassung schärft die Argumentation. Die dritte poliert den Stil. Planen Sie also immer genügend Zeit für Überarbeitungen ein. Eine hilfreiche Technik ist, den Text laut vorzulesen. Stellen, die beim Vorlesen holprig klingen, sind oft auch inhaltlich oder stilistisch problematisch.

Kritisches Denken auf Englisch

Kritisches Denken ist mehr als nur eine Fähigkeit. Es ist die Grundhaltung, die akademisches Arbeiten von allem anderen unterscheidet. An englischsprachigen Universitäten wird von Studierenden erwartet, dass sie nicht einfach Wissen reproduzieren, sondern es hinterfragen, bewerten und in neue Zusammenhänge stellen. Für Studierende aus dem deutschsprachigen Raum, wo der Fokus an manchen Institutionen stärker auf der Wissensvermittlung liegt, kann diese Erwartung zunächst überraschend sein.

Doch was bedeutet "kritisches Denken" konkret? Es beginnt mit der Fähigkeit, zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden. Zwischen starken und schwachen Argumenten. Zwischen überzeugenden Belegen und Anekdoten. Kritisches Denken fragt: Wer hat das geschrieben? Warum? Auf welchen Daten basiert die Aussage? Gibt es Gegenargumente? Welche Annahmen liegen zugrunde? Diese Fragen klingen einfach, aber sie konsequent auf jeden Text anzuwenden, erfordert Übung und eine gewisse Denkdisziplin.

Für nicht-muttersprachliche Studierende stellt kritisches Denken auf Englisch eine doppelte Herausforderung dar. Erstens müssen sie den Inhalt verstehen, was bei komplexen akademischen Texten bereits anspruchsvoll ist. Zweitens müssen sie diesen Inhalt gleichzeitig bewerten und einordnen. Und drittens müssen sie ihre kritische Analyse in einer Sprache formulieren, die nicht ihre Muttersprache ist. Es ist, als müsste man gleichzeitig schwimmen und Schach spielen.

Es gibt einige bewährte Strategien, um kritisches Denken auf Englisch zu trainieren. Eine davon ist das sogenannte "Socratic Questioning", bei dem Sie sich systematisch Fragen zu einem Text stellen: "What is the author's main argument? What evidence supports it? What are the limitations? How does this relate to other sources I have read?" Diese Fragen helfen, über die Oberfläche hinauszudenken.

Eine weitere Strategie ist das Vergleichen verschiedener Quellen zu einem Thema. Wenn drei Studien zum gleichen Thema unterschiedliche Ergebnisse liefern, fragt kritisches Denken: Warum? Unterschiede in der Methodik? Im Untersuchungszeitraum? In der Stichprobe? In den zugrunde liegenden Definitionen? Diese Vergleichsarbeit ist das Herzstück vieler akademischer Essays und Hausarbeiten.

Für das Schreiben gibt es bestimmte Formulierungen, die kritisches Denken signalisieren: "While Smith (2020) argues that..., this perspective overlooks..." oder "Although the data suggest..., it is important to consider..." oder "This conclusion is supported by..., yet it fails to account for..." Diese Wendungen zeigen dem Leser (und dem Prüfer), dass Sie nicht nur gelesen, sondern auch gedacht haben.

Ein praktischer Tipp: Führen Sie ein "Critical Reading Journal". Notieren Sie zu jedem Text, den Sie lesen, nicht nur die Hauptaussagen, sondern auch Ihre Fragen, Zweifel und Gegenargumente. Mit der Zeit wird kritisches Denken zu einer automatischen Gewohnheit, die Sie nicht mehr bewusst aktivieren müssen.

Vorlesungen verstehen und Notizen machen

Vorlesungen an englischsprachigen Universitäten sind für internationale Studierende oft die größte unmittelbare Herausforderung. Im Gegensatz zu geschriebenen Texten, die man in eigenem Tempo lesen und nachschlagen kann, läuft eine Vorlesung in Echtzeit ab. Es gibt keine Pause-Taste. Kein Zurückspulen. Und der Professor passt sein Tempo nicht an nicht-muttersprachliche Zuhörer an.

Die Schwierigkeiten sind vielfältig. Professoren sprechen oft schnell, verwenden Fachbegriffe ohne Erklärung, schweigen über implizites Wissen, das sie bei ihren Studierenden voraussetzen, und würzen ihre Vorträge mit kulturellen Referenzen, Witzen oder Redewendungen, die internationalen Studierenden völlig fremd sind. Ein Professor in Edinburgh, der sagt "It's a bit like shutting the stable door after the horse has bolted", erwartet, dass seine Studierenden das Sprichwort kennen und den Bezug zu seinem Argument herstellen können. Dazu kommt die Vielfalt der Akzente. Britisches Englisch klingt anders als amerikanisches, und innerhalb Grossbritanniens variieren die Akzente enorm.

Wie bereitet man sich darauf vor? Die erste Strategie ist die Vorentlastung (pre-listening). Lesen Sie vor jeder Vorlesung die relevanten Kapitel oder zumindest die Zusammenfassungen im Lehrbuch. Schauen Sie sich die Folien an, falls sie vorab zur Verfügung stehen. Schlagen Sie unbekannte Fachbegriffe nach. Wenn Sie bereits wissen, worum es geht, können Sie dem Vortrag wesentlich leichter folgen.

Die zweite Strategie betrifft das Notizenmachen selbst. Viele Studierende versuchen, jedes Wort mitzuschreiben. Das ist kontraproduktiv, denn es verhindert aktives Zuhören. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Hauptpunkte, die Argumentation und die Beispiele. Verwenden Sie Abkürzungen und Symbole. Schreiben Sie in Stichworten, nicht in ganzen Sätzen.

Eine bewährte Methode ist die Cornell-Methode. Sie teilen Ihr Blatt in drei Bereiche: rechts eine breite Spalte für Ihre Notizen während der Vorlesung, links eine schmale Spalte für Schlüsselwörter und Fragen, die Sie nach der Vorlesung ergänzen, und unten einen Bereich für eine kurze Zusammenfassung. Diese Methode zwingt Sie, das Gehörte zu verarbeiten und nicht nur passiv aufzuschreiben.

Nutzen Sie auch die Signalwörter, die Professoren verwenden, um wichtige Punkte hervorzuheben: "The key point here is...", "What's crucial to understand is...", "This is going to be on the exam...", "To summarize...", "In contrast to what we discussed last week...". Diese Hinweise zeigen Ihnen, worauf Sie sich konzentrieren sollten.

Nach der Vorlesung sollten Sie Ihre Notizen innerhalb von 24 Stunden überarbeiten. Ergänzen Sie Lücken, klären Sie Unverständliches und verbinden Sie die neuen Informationen mit dem, was Sie bereits wissen. Studien zeigen, dass diese aktive Nachbearbeitung den Lerneffekt drastisch steigert.

Ein weiterer Tipp: Viele Universitäten bieten Vorlesungsaufzeichnungen an. Nutzen Sie diese, um schwierige Passagen ein zweites Mal zu hören. Aber verwenden Sie sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Teilnahme. Das aktive Zuhören und die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sind durch keine Aufzeichnung zu ersetzen.

Akademischen Wortschatz aufbauen

Der akademische Wortschatz ist das Fundament, auf dem alle anderen EAP-Kompetenzen aufbauen. Ohne die richtigen Wörter können Sie weder verstehen, was Sie lesen und hören, noch angemessen schreiben oder sprechen. Für deutschsprachige Lernende gibt es allerdings einen Vorteil: Viele akademische Begriffe im Englischen stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen, und diese Wurzeln finden sich auch in deutschen Fachbegriffen. "Methodology" und "Methodik", "hypothesis" und "Hypothese", "analysis" und "Analyse" sind sich so ähnlich, dass der Transfer fast automatisch funktioniert.

Die gute Nachricht: Akademischer Wortschatz ist überschaubarer, als viele denken. Linguisten haben herausgefunden, dass etwa 570 Wortfamilien den Kern des akademischen Vokabulars ausmachen. Diese Wörter, zusammengefasst in der Academic Word List (AWL) von Averil Coxhead, decken rund 10% aller Wörter in akademischen Texten ab. Wenn Sie diese 570 Familien beherrschen, haben Sie einen enormen Vorsprung.

Einige Beispiele aus der AWL: "analyze", "approach", "concept", "derive", "establish", "factor", "generate", "hypothesis", "indicate", "justify". Diese Wörter begegnen Ihnen in jedem Fach, von Biologie über Wirtschaft bis hin zu Kulturwissenschaften.

Doch wie lernt man diesen Wortschatz effektiv? Einfaches Auswendiglernen von Wortlisten ist wenig hilfreich. Wörter brauchen Kontext, um wirklich verstanden und behalten zu werden. Hier sind bewährte Strategien.

Die erste Methode ist das kontextuelle Lernen. Wenn Sie ein neues Wort in einem Fachartikel finden, notieren Sie nicht nur die Definition, sondern auch den ganzen Satz, in dem es vorkommt. Schreiben Sie einen eigenen Beispielsatz. Notieren Sie häufige Wortverbindungen (Kollokationen), zum Beispiel "conduct research" (nicht "do research"), "draw a conclusion" (nicht "make a conclusion"), "pose a question" (nicht "put a question"). Diese Kollokationen sind besonders wichtig, weil sie den Unterschied zwischen einem funktionalen und einem natürlich klingenden akademischen Text ausmachen.

Die zweite Methode ist die Arbeit mit Wortfamilien. Lernen Sie nicht nur "analyze", sondern auch "analysis", "analytical", "analyst". Nicht nur "significant", sondern auch "significance", "significantly", "insignificant". Das vervierfacht Ihren aktiven Wortschatz mit minimalem Zusatzaufwand.

Die dritte Methode nutzt Spaced Repetition, also verteiltes Wiederholen. Digitale Karteikarten-Apps wie Anki verwenden Algorithmen, die Ihnen Wörter genau dann wieder vorlegen, wenn Sie sie zu vergessen drohen. Diese Methode ist wissenschaftlich als eine der effektivsten Lernstrategien bestätigt.

Neben der AWL gibt es auch fachspezifisches Vokabular, das je nach Studiengang variiert. Ein Medizinstudent braucht andere Begriffe als ein Jurist oder ein Ingenieur. Erstellen Sie sich deshalb fachspezifische Vokabellisten, indem Sie die Schlüsselbegriffe aus Ihren Lehrbüchern und Vorlesungen sammeln.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die sogenannte "sub-technical vocabulary". Das sind alltägliche Wörter, die im akademischen Kontext eine andere Bedeutung haben. "Culture" bedeutet im Alltag etwas anderes als in der Mikrobiologie. "Power" in der Physik ist nicht dasselbe wie in der Politikwissenschaft. "Volume" im Buchhandel hat nichts mit "volume" in der Chemie zu tun. Achten Sie besonders auf diese Bedeutungsverschiebungen, die selbst fortgeschrittenen Lernenden Schwierigkeiten bereiten können.

Quellenangaben, Zitate und akademische Integrität

Wenige Themen bereiten internationalen Studierenden so viel Kopfzerbrechen wie das korrekte Zitieren. Das liegt nicht daran, dass es besonders schwierig ist. Es liegt daran, dass die Regeln von Land zu Land, von Fach zu Fach und manchmal sogar von Professor zu Professor variieren. Doch die Grundprinzipien sind universal, und sie zu verstehen ist absolut entscheidend.

Akademische Integrität bedeutet im Kern: Geben Sie immer an, woher Ihre Informationen stammen. Jede Idee, jedes Argument, jede Tatsache, die nicht Ihr eigenes Wissen ist, muss mit einer Quelle belegt werden. Das gilt für direkte Zitate ebenso wie für Paraphrasen (also Umformulierungen in eigenen Worten) und Zusammenfassungen.

Die häufigsten Zitiersysteme sind APA (weit verbreitet in Psychologie, Erziehungswissenschaften und Sozialwissenschaften), MLA (üblich in Literatur- und Geisteswissenschaften), Harvard (beliebt an britischen Universitäten) und Chicago/Turabian (häufig in Geschichte und Theologie). Jedes System hat eigene Regeln für die Formatierung von Quellenangaben, aber das Prinzip ist immer dasselbe: Der Leser muss nachvollziehen können, woher jede Information stammt.

Ein In-Text-Zitat nach APA sieht zum Beispiel so aus: "According to Smith (2020), academic writing requires extensive practice." Oder am Ende eines Satzes: "Academic writing requires extensive practice (Smith, 2020)." Am Ende des Textes steht dann ein Literaturverzeichnis (Reference List) mit den vollständigen bibliographischen Angaben.

Der größte Fallstrick ist das Plagiat. An angelsächsischen Universitäten wird Plagiat extrem ernst genommen, deutlich ernster als an vielen deutschen Hochschulen. Es reicht nicht, einen Satz umzuformulieren und die Quelle wegzulassen. Selbst wenn Sie die Worte ändern, aber die Idee beibehalten, müssen Sie die Quelle angeben. Universitäten verwenden Software wie Turnitin, die eingereichte Arbeiten automatisch auf Übereinstimmungen mit veröffentlichten Texten prüft.

Es gibt verschiedene Formen von Plagiat, die vielen Studierenden nicht bewusst sind. Direktes Plagiat (Wort für Wort kopieren) ist offensichtlich. Aber es gibt auch Mosaikplagiat (Teile aus verschiedenen Quellen zusammenstückeln), Selbstplagiat (eigene frühere Arbeiten ohne Kennzeichnung wiederverwenden) und Ghostwriting (jemand anderen schreiben lassen). All diese Formen können zu schweren Konsequenzen führen, von einer Null in der Arbeit bis zur Exmatrikulation.

Das korrekte Paraphrasieren ist eine Kernkompetenz. Es reicht nicht, einzelne Wörter durch Synonyme zu ersetzen. Eine gute Paraphrase verändert sowohl die Satzstruktur als auch die Wortwahl, behält aber den Sinn bei. Und sie enthält immer eine Quellenangabe. Die beste Methode zum Üben: Lesen Sie einen Absatz, legen Sie den Text beiseite, warten Sie eine Minute, und schreiben Sie den Inhalt dann in eigenen Worten auf. Dann vergleichen Sie. Wenn ganze Phrasen identisch sind, überarbeiten Sie nochmals.

Praktischer Tipp: Verwenden Sie Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero, Mendeley oder EndNote. Diese Tools speichern Ihre Quellen, generieren automatisch Zitate in verschiedenen Formaten und erstellen Literaturverzeichnisse auf Knopfdruck. Die Einarbeitungszeit lohnt sich enorm.

Präsentations- und Seminarkompetenzen

Akademische Präsentationen gehören zum Universitätsalltag wie Vorlesungen und Prüfungen. Ob es ein fünfminütiger Seminarbeitrag ist, eine Posterpräsentation auf einer Konferenz oder die Verteidigung Ihrer Abschlussarbeit: Die Fähigkeit, Forschungsergebnisse klar und überzeugend auf Englisch zu präsentieren, ist unverzichtbar.

Viele nicht-muttersprachliche Studierende fürchten Präsentationen mehr als alles andere. Die Angst, Fehler zu machen, den Faden zu verlieren oder Fragen nicht beantworten zu können, ist real. Doch mit der richtigen Vorbereitung lässt sich diese Angst erheblich reduzieren.

Eine gute akademische Präsentation folgt einer klaren Struktur. Die Einleitung umfasst eine Begrüssung, einen Überblick über den Inhalt und eine klare Formulierung der Forschungsfrage oder des Themas. Der Hauptteil präsentiert die Argumente oder Ergebnisse in logischer Reihenfolge, gestützt durch visuelle Hilfsmittel. Der Schluss fasst die Kernaussagen zusammen und öffnet die Diskussion.

Für die sprachliche Gestaltung gibt es bewährte Formulierungen. "Today I'd like to present our findings on..." (Einleitung). "Moving on to the next point..." (Überleitung). "As you can see from this graph..." (Verweis auf visuelle Hilfsmittel). "To sum up the main points..." (Zusammenfassung). "I'd be happy to take any questions." (Abschluss). Diese Standardformulierungen geben Ihnen Sicherheit und sorgen für einen professionellen Eindruck.

Besonders wichtig ist die Fragerunde nach der Präsentation. Hier einige Strategien: Wenn Sie eine Frage nicht verstehen, bitten Sie um Wiederholung oder Umformulierung ("Could you rephrase that question, please?"). Wenn Sie die Antwort nicht wissen, sagen Sie es ehrlich ("That's an interesting point. I haven't investigated that specific aspect yet, but it would certainly merit further research."). Und nehmen Sie sich einen Moment Zeit zum Nachdenken, bevor Sie antworten ("That's a great question. Let me think about that for a moment.").

Seminardiskussionen erfordern noch andere Fähigkeiten. Hier geht es nicht nur darum, eine vorbereitete Präsentation zu halten, sondern spontan auf die Beiträge anderer zu reagieren. Nützliche Formulierungen sind: "Building on what [Name] just said..." (anknüpfen), "I see your point, but I would argue that..." (höflich widersprechen), "Could you elaborate on that?" (nachfragen) und "That connects to the reading by Smith, who suggests..." (Verbindungen herstellen).

Üben Sie Ihre Präsentationen laut vor dem Spiegel, nehmen Sie sich auf Video auf, oder präsentieren Sie vor Freunden. Je öfter Sie üben, desto natürlicher wird es. Und achten Sie auf Ihre Körpersprache: Blickkontakt, ruhige Gestik und eine aufrechte Haltung verstärken Ihre verbale Botschaft.

Akademische Texte effizient lesen

An einer Universität werden Sie mit enormen Mengen an Lesestoff konfrontiert. Ein typischer Kurs kann leicht 50 bis 100 Seiten pro Woche an Pflichtlektüre umfassen. Dazu kommen empfohlene Texte, Hintergrundliteratur und Material für Hausarbeiten. Alles Wort für Wort zu lesen ist schlicht unmöglich. Effizientes Lesen ist deshalb keine Abkürzung, sondern eine Notwendigkeit.

Die wichtigste Erkenntnis: Nicht jeder Text muss auf die gleiche Weise gelesen werden. Akademisches Lesen kennt verschiedene Intensitätsstufen, und die Kunst besteht darin, für jeden Text die richtige Stufe zu wählen.

Stufe eins ist das Überblickslesen (Surveying). Sie überfliegen Titel, Zusammenfassung (Abstract), Einleitung und Schluss eines Artikels, um zu entscheiden, ob er für Ihr Thema relevant ist. Das dauert zwei bis drei Minuten pro Text und spart Ihnen Stunden, die Sie sonst mit irrelevanten Artikeln verbringen würden.

Stufe zwei ist das Skimming. Sie lesen die ersten Sätze jedes Absatzes, die Überschriften und die Hervorhebungen, um die Hauptargumente zu erfassen. Sie suchen nach der zentralen These, den wichtigsten Belegen und den Schlussfolgerungen. Das dauert zehn bis fünfzehn Minuten pro Artikel.

Stufe drei ist das intensive Lesen. Sie lesen den gesamten Text sorgfältig, markieren wichtige Stellen, notieren Fragen und verbinden die Informationen mit Ihrem vorhandenen Wissen. Das ist die zeitaufwendigste Methode und sollte nur für die wichtigsten Texte verwendet werden.

Eine effektive Lesetechnik für akademische Texte ist das SQ3R-System: Survey (Überblick verschaffen), Question (Fragen formulieren, bevor Sie lesen), Read (gezielt lesen, um Antworten zu finden), Recite (das Gelesene in eigenen Worten wiedergeben) und Review (nach einiger Zeit wiederholen).

Beim Lesen auf Englisch als Fremdsprache ist es wichtig, nicht jedes unbekannte Wort sofort nachzuschlagen. Versuchen Sie zunächst, die Bedeutung aus dem Kontext zu erschliessen. Markieren Sie Wörter, die wirklich entscheidend für das Verständnis sind, und schlagen Sie nur diese nach. Andernfalls wird das Lesen so langsam und fragmentiert, dass Sie den roten Faden verlieren.

Machen Sie sich beim Lesen aktive Notizen. Schreiben Sie nicht ab, sondern formulieren Sie die Hauptaussagen in eigenen Worten. Stellen Sie Verbindungen zu anderen Texten her. Notieren Sie Fragen und kritische Anmerkungen. Diese aktive Auseinandersetzung vertieft das Verständnis und liefert gleichzeitig Material für Ihre Hausarbeiten.

Ein praktisches Werkzeug ist die Annotierungstechnik. Verwenden Sie verschiedene Farben für verschiedene Zwecke: zum Beispiel Gelb für Hauptargumente, Grün für Belege, Rosa für Definitionen und Blau für Stellen, die Sie nicht verstehen oder hinterfragen möchten. Ob Sie digital oder auf Papier arbeiten, ist Geschmackssache. Beides hat Vor- und Nachteile.

Ihr EAP-Vorbereitungsplan

Akademisches Englisch lässt sich nicht über Nacht lernen. Aber mit einem strukturierten Plan können Sie in sechs bis zwölf Monaten erhebliche Fortschritte erzielen. Hier ist ein realistischer Stufenplan, der Sie von den Grundlagen bis zur Universitätsreife führt.

Phase 1 (Monate 1 bis 3) legt das Fundament. Konzentrieren Sie sich auf den Aufbau des akademischen Grundwortschatzes. Arbeiten Sie die Academic Word List systematisch durch, am besten mit einer Spaced-Repetition-App. Lesen Sie jeden Tag mindestens einen kurzen akademischen Text und machen Sie sich Notizen. Beginnen Sie, akademische Podcasts oder Vorlesungen auf YouTube zu hören. TED Talks sind ein guter Einstieg, da sie akademische Themen in relativ zugänglicher Sprache behandeln. Gewöhnen Sie sich daran, täglich mindestens 30 Minuten mit akademischem Englisch zu verbringen.

Phase 2 (Monate 4 bis 6) baut die Kernkompetenzen auf. Schreiben Sie Ihre ersten akademischen Essays, zunächst kurze (500 Wörter), dann längere. Lassen Sie sie von einem Lehrer oder Muttersprachler korrigieren. Üben Sie das Paraphrasieren und Zusammenfassen von Fachtexten. Lernen Sie die Grundregeln eines Zitiersystems (am besten das, das in Ihrem zukünftigen Fach Standard ist). Halten Sie Ihre erste Übungspräsentation auf Englisch.

Phase 3 (Monate 7 bis 9) vertieft und verfeinert. Schreiben Sie längere, komplexere Arbeiten (1500 bis 2500 Wörter). Üben Sie kritisches Denken, indem Sie Fachartikel analysieren und bewerten. Nehmen Sie an Diskussionsgruppen teil, in denen akademische Themen auf Englisch besprochen werden. Arbeiten Sie an Ihrer Vorlesungsmitschrift, indem Sie Vorlesungen auf Plattformen wie Coursera oder MIT OpenCourseWare mitverfolgen und Notizen machen.

Phase 4 (Monate 10 bis 12) simuliert den Ernstfall. Schreiben Sie eine vollständige Seminararbeit mit korrekter Zitierweise und Literaturverzeichnis. Halten Sie eine 15-minütige Präsentation mit anschliessender Fragerunde. Lesen Sie pro Woche das Pensum, das an Ihrer zukünftigen Universität üblich ist. Und, falls möglich, nehmen Sie an einem EAP-Kurs teil, der gezieltes Feedback von erfahrenen Dozenten bietet.

Einige zusätzliche Empfehlungen für Ihren Vorbereitungsplan. Nutzen Sie offizielle Prüfungsvorbereitungen: IELTS und TOEFL testen akademisches Englisch, und ihre Übungsmaterialien sind hervorragend geeignet, auch wenn Sie keine Prüfung ablegen wollen. Suchen Sie sich einen Tandempartner, idealerweise jemanden, der in Ihrem Fachgebiet studiert. Lesen Sie akademische Zeitungen wie "The Economist" oder "New Scientist", die einen Mittelweg zwischen Alltagssprache und Fachsprache bieten. Und scheuen Sie sich nicht, Fehler zu machen. Jeder Fehler ist eine Lernmöglichkeit, besonders wenn er korrigiert wird.

Lena, die Studentin vom Anfang dieses Artikels, hat es übrigens geschafft. Nach einem schwierigen ersten Semester nahm sie an einem EAP-Kurs teil und arbeitete gezielt an ihren akademischen Fähigkeiten. Im zweiten Jahr schrieb sie einen Essay, den ihr Professor als einen der besten des Jahrgangs lobte. Heute gibt sie selbst Tutorien für internationale Erstsemester. Ihre wichtigste Botschaft an neue Studierende? "Dein Alltagsenglisch bringt dich an die Uni. Aber akademisches Englisch bringt dich durch die Uni."

Genau das ist es, was EAP leistet. Es schließt die Lücke zwischen dem Englisch, das Sie können, und dem Englisch, das die Universität von Ihnen erwartet. Und mit der richtigen Vorbereitung ist diese Lücke kleiner, als Sie denken.

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