Sprachanforderungen für die Einwanderung: Alles, was Sie wissen müssen
Rui Andrade lebte seit sechs Jahren in Stuttgart, als ihm sein Sachbearbeiter im Auslanderamt einen Satz sagte, der ihm den Boden unter den Füssen wegzog: "Ohne bestandenen B1-Nachweis kann ich Ihnen die Niederlassungserlaubnis heute nicht erteilen." Rui war 2020 aus Porto gekommen, mit einem Blauen Karte ähnlichen Arbeitsvisum als Maschinenbauingenieur bei einem Automobilzulieferer in Sindelfingen. Im Büro wurde fast ausschließlich Englisch gesprochen, seine Kollegen kamen aus zwölf verschiedenen Ländern, und Projektunterlagen liefen ohnehin auf Englisch. Im Alltag kam er mit seinem Deutsch gut zurecht: Er konnte beim Bäcker bestellen, mit dem Vermieter über die Heizungsabrechnung diskutieren, seiner Tochter bei den Hausaufgaben in der Grundschule helfen. Er hatte nie das Gefühl, dass ihm etwas Wesentliches fehlte.
Was er nie gemacht hatte, war ein strukturierter Integrationskurs mit Abschlussprüfung. Er hatte einfach nie den Grund dafür gesehen. Sein befristeter Aufenthaltstitel lief in acht Wochen aus, und er wollte, wie es die meisten Kollegen aus seinem Team getan hatten, gleich den nächsten Schritt gehen und die Niederlassungserlaubnis beantragen, die unbefristete Variante, die ihm endlich die Planungssicherheit gabe, die er brauchte, um mit seiner Frau über den Kauf einer Wohnung nachzudenken. Stattdessen sass er nun mit einem Merkblatt in der Hand, auf dem stand, dass er ein Sprachniveau B1 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen nachweisen musste, entweder über den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) am Ende eines Integrationskurses oder über ein gleichwertiges Zertifikat wie das Goethe-Zertifikat B1 oder telc Deutsch B1.
Er rief noch am selben Nachmittag bei der Volkshochschule an. Die Antwort war ernüchternd: Der nächste Integrationskurs mit freiem Platz begann erst in viereinhalb Monaten, weit nach Ablauf seines aktuellen Aufenthaltstitels. Ein Anruf bei drei weiteren Sprachschulen in der Region brachte dasselbe Bild: überall Wartelisten, überall Kurse, die längst ausgebucht waren. Am Ende blieb ihm nur eine private Intensivschule in Stuttgart, die einen dreiwöchigen Vollzeitkurs anbot, jeden Wochentag von neun bis 15 Uhr, mit garantierter Prufungsanmeldung am Ende. Der Kurs kostete 1.780 Euro, dazu kamen 180 Euro Prufungsgebuhr für den telc Deutsch B1. Rui musste neun Urlaubstage nehmen, dazu einige unbezahlte Fehltage, weil sein Chef nicht bereit war, ihm den kompletten Zeitraum als bezahlten Urlaub zu genehmigen. Seine Frau übernahm in dieser Zeit fast allein die Betreuung der Tochter. Zwei Wochen vor Ablauf seines alten Aufenthaltstitels bestand er die Prüfung, knapp, mit 68 von 100 Punkten. Die Niederlassungserlaubnis bekam er schließlich, aber die sechs Wochen davor beschrieb er später als die stressigsten seit seiner Ankunft in Deutschland, ausgelöst allein durch eine falsche Annahme: dass Alltagsdeutsch automatisch als Nachweis zahlt.
Ruis Geschichte wiederholt sich in ähnlicher Form tausendfach, nicht nur in Deutschland. Wer plant, dauerhaft in ein anderes Land zu ziehen, stolpert früher oder später über die Tatsache, dass gesprochene Alltagssprache und ein zertifizierter Sprachnachweis zwei völlig verschiedene Dinge sind. Dieser Leitfaden erklärt, welche Anforderungen in Deutschland, Grossbritannien, Kanada, den USA, Frankreich, Spanien und Italien tatsächlich gelten, welche Prüfungen anerkannt werden und wie sich ein Fall wie der von Rui von vornherein vermeiden lässt.
Warum Länder überhaupt Sprachzertifikate verlangen
Auf den ersten Blick wirkt die Förderung nach einem formalen Sprachnachweis fast beleidigend, besonders für jemanden, der seit Jahren im Land lebt, arbeitet, Steuern zahlt und sich mit Nachbarn unterhält. Warum reicht das nicht als Beweis? Die Antwort liegt in drei Gründen, die weit über reine Verwaltungslogik hinausgehen.
Erstens geht es um Prognosen zur Integration. Studien aus Deutschland, Kanada und den skandinavischen Ländern zeigen seit Jahrzehnten einen klaren Zusammenhang zwischen dem Sprachniveau bei Ankunft und wie schnell jemand eine stabile Beschäftigung findet, sozial Anschluss findet und weniger auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Eine Mindestschwelle ist ein grobes, aber messbares Instrument, um diesen Zusammenhang in Regeln zu übersetzen.
Zweitens gibt es eine handfeste finanzielle Seite. Länder mit ausgebauten Integrationssystemen zahlen für kostenlose Dolmetscher beim Arzt, für Unterstützung bei der Schulanmeldung, für Übersetzer beim Finanzamt. Wer schon vor der dauerhaften Aufenthaltserlaubnis ein Grundniveau der Landessprache nachweist, verringert diese laufenden Kosten für den Staat spürbar.
Drittens, und das wird selten offen ausgesprochen, dienen Sprachprüfungen als grober Filter gegen Missbrauch, besonders bei Familienzusammenfuhrungen. Behörden haben genug Falle von Scheinehen gesehen, dass eine gemeinsame, funktionierende Sprache zwischen Ehepartnern als ein Indiz (wenn auch ein unvollkommenes) für eine echte Beziehung gilt. Das System ist alles andere als perfekt: Ein Paar kann seit Jahren glucklich verheiratet sein und trotzdem an der formalen Sprachhurde scheitern, nur weil einer der Partner das nötige Niveau noch nicht erreicht hat.
Das Verständnis dieser Hintergründe macht den Papierkram nicht weniger lastig, erklärt aber, warum praktisch jedes entwickelte Land mit einem funktionierenden Einwanderungssystem eine Form dieses Nachweises verlangt, und warum Ausnahmen selten und präzise definiert sind, nicht grosszügig ausgelegt. Es hilft auch, die eigene Vorbereitung einzuordnen: Es handelt sich nicht um einen Selbstzweck, sondern um einen messbaren Prufpunkt, und je besser man sich darauf vorbereitet, desto reibungsloser läuft in der Regel alles, was danach kommt.
Deutschland: A1 für den Ehegattennachzug, B1 für die Niederlassung, B2 für reglementierte Berufe
Deutschland betreibt eines der am klarsten gestaffelten, aber auch am häufigsten missverstandenen Sprachanforderungssysteme Europas.
Für ein Visum zum Ehegattennachzug (der ausländische Ehepartner zieht zu einem bereits in Deutschland lebenden Partner) muss der nachziehende Ehepartner in der Regel A1-Deutsch nachweisen, bevor das Visum überhaupt erteilt wird, meist über das Zertifikat "Start Deutsch 1" des Goethe-Instituts oder über telc Deutsch A1, geprüft in allen vier Fertigkeiten: Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Es gibt Ausnahmen: Staatsangehörige der USA, Kanadas, Australiens, Neuseelands, Israels, Japans, Sudkoreas und einiger weiterer Länder können teilweise ohne vorherige A1-Prüfung einreisen, ebenso Ehepartner bestimmter hochqualifizierter Fachkräfte, Inhaber der Blauen Karte EU oder Forschende. Für die meisten Nationalitäten bleibt A1 vor der Visumerteilung jedoch die Regel, keine Ausnahme.
Die A1-Prüfung selbst prüft alle vier Sprachfertigkeiten: Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen. Das ist deshalb betonenswert, weil viele Lernende annehmen, A1 bedeute einfaches Wortschatzerkennen, Karteikarten-Wissen. In Wirklichkeit verlangt die Goethe-A1-Prüfung, einfache Anzeigen und Formulare zu lesen, eine kurze E-Mail oder Nachricht zu schreiben, kurze gesprochene Durchsagen zu verstehen und an einem kurzen Gespräch mit einem Prüfer teilzunehmen. Lernende, die nur mit Vokabel-Apps üben und nie unter Zeitdruck schreiben oder sprechen, werden regelmäßig von der Prüfung überrascht, obwohl der Inhalt selbst tatsächlich elementar ist.
Für die Niederlassungserlaubnis, den unbefristeten Aufenthaltstitel, steigt die Hürde auf B1-Deutsch. Die meisten Antragsteller weisen dies nach, indem sie einen Integrationskurs absolvieren und am Ende den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) bestehen, alternativ genügt auch ein Goethe-Zertifikat B1 oder telc Deutsch B1, unabhängig vom Kursbesuch. B1 ist außerdem das Niveau, das für die deutsche Staatsbürgerschaft (Einbürgerung) verlangt wird, zusätzlich zu einem separaten Einbürgerungstest über Geschichte, Recht und Gesellschaftsordnung.
Für reglementierte Berufe klettert die Anforderung oft auf B2 und manchmal darüber hinaus. Ärztinnen und Ärzte, die eine ausländische Approbation in Deutschland anerkennen lassen wollen, benötigen üblicherweise B2 im Allgemeindeutsch plus eine gesonderte medizinische Fachsprachprüfung, weil die Gesundheitsbehorden niemandem eine Zulassung erteilen wollen, der sich nicht zuverlässig mit Patienten und Kollegen verständigen kann. Pflegekräfte, Ingenieure und andere reglementierte Berufsgruppen haben eigene Schwellenwerte, die meist von der zuständigen Kammer festgelegt werden und nicht direkt von der Ausländerbehörde.
Die Falle, in die Rui getappt ist, ist typisch: A1 wirkt niedrig, aber selbst A1 verlangt eine geprüfte Leistung in Schreiben und Sprechen, nicht nur passives Wörter-Wiedererkennen. Und der Sprung von gutem Alltagsdeutsch zu einem zertifizierten B1 wird regelmäßig unterschätzt, gerade von Menschen, die im Beruf mit Englisch durchkommen. Die zweite, weniger diskutierte Falle sind die Wartezeiten auf Prüfungstermine. In vielen Städten sind Goethe-Institut-Prüfungstermine Wochen oder Monate im Voraus ausgebucht, und eine späte Anmeldung kann den gesamten Visum-Zeitplan um denselben Zeitraum verschieben. Den Prüfungstermin früh zu buchen, auch bevor man sich ganz sicher fühlt, ist strategisch oft klüger als abzuwarten, bis man sich bereit fühlt, weil Prüfungstermine schwerer zu verschieben sind als Lernpläne.
Grossbritannien: IELTS Life Skills für Familie, IELTS Academic für Studierende
Das Vereinigte Königreich trennt seine Englischanforderungen strikt nach Visakategorie, und genau diese Trennung sorgt für die meiste Verwirrung.
Für Familiennachzugsvisa (ein Ehepartner oder Lebenspartner zieht zu jemandem, der bereits im Vereinigten Königreich niedergelassen ist) verlangt das Innenministerium einen anerkannten Secure English Language Test, üblicherweise IELTS Life Skills auf Niveau A1 für den ursprünglichen Visumantrag. Wird die Beziehung fortgesetzt und ein Aufenthalt verlängert, steigt das geforderte Niveau schrittweise, und spätestens bei der Beantragung des unbefristeten Aufenthaltsrechts (Indefinite Leave to Remain) wird in der Regel Niveau B1 verlangt, zusätzlich zum separaten "Life in the UK"-Test über britische Geschichte, Institutionen und Alltagswissen. IELTS Life Skills ist bewusst schmaler angelegt als das akademische IELTS: Es prüft ausschließlich Hören und Sprechen, weil jemand, der dauerhaft im Land bleiben will, in erster Linie im Alltag und im Gespräch funktionieren muss, nicht unbedingt akademische Aufsätze schreiben.
Für Studierendenvisa kehrt sich das Bild um: Hier zahlt akademische Sprachkompetenz. Die jeweilige Universität legt ihre eigene Schwelle fest, die meisten Bachelorstudiengänge verlangen etwa IELTS Academic 6.0 bis 6.5, kompetitive Masterprogramme oft 7.0 oder hoher. Das Visum selbst hat keinen festen Sprachwert; stattdessen stellt die Universität eine Confirmation of Acceptance for Studies (CAS) erst aus, wenn die Sprachanforderung erfüllt ist, und das Visum baut auf dieser CAS auf. Anerkannt werden unter anderem IELTS Academic und Pearson PTE Academic, aber nur, wenn sie ausdrücklich auf der aktuellen Liste der von UK Visas and Immigration (UKVI) zugelassenen Secure English Language Tests stehen, weshalb sich ein Blick auf diese Liste vor der Anmeldung lohnt.
Ein häufiger Fehler bei britischen Visumsantragen ist die Buchung der falschen IELTS-Variante. Es gibt mehrere IELTS-Produkte: IELTS Academic (für die Universität), IELTS General Training (häufig für australische und kanadische Einwanderung genutzt) und IELTS Life Skills (für britische Familienvisa). Wer die falsche Variante bucht, dessen Ergebnis wird nicht anerkannt, und er muss die richtige Prüfung von Grund auf neu ablegen, mit Verlust sowohl der Gebuhr als auch der Zeit.
Für Skilled-Worker-Visa wird in der Regel B1 allgemeines Englisch verlangt, außer der Antragsteller ist davon befreit, etwa weil er einen englischsprachig unterrichteten Studienabschluss besitzt oder aus einem überwiegend englischsprachigen Land stammt.
Kanada: IELTS oder CELPIP für Express Entry, umgerechnet in CLB
Kanada arbeitet mit einem eigenen Maßstab, dem Canadian Language Benchmark (CLB), und jedes anerkannte Testergebnis wird zunächst in einen CLB-Wert umgerechnet, bevor es im Antrag überhaupt zahlt.
Für Express Entry, das punktebasierte System, das das Federal Skilled Worker Program, die Canadian Experience Class und das Federal Skilled Trades Program umfasst, legen Antragsteller entweder IELTS General Training oder CELPIP General ab, und die Ergebnisse werden in CLB-Stufen für Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen umgerechnet. Das Federal Skilled Worker Program verlangt mindestens CLB 7 in allen vier Fertigkeiten, was ungefähr einem IELTS-Wert von 6.0 in jedem Abschnitt entspricht. Das Federal Skilled Trades Program setzt die Latte etwas niedriger an: CLB 5 für Hören und Sprechen, CLB 4 für Lesen und Schreiben. Doch das Wort "Minimum" ist hier irreführend, denn Express Entry ist ein Wettbewerbssystem, und die Punkte im Comprehensive Ranking System (CRS) steigen bei höheren CLB-Werten überproportional an. Wer in allen vier Fertigkeiten CLB 9 oder mehr erreicht, sammelt deutlich mehr Punkte als jemand, der gerade so bei CLB 7 landet, und genau dieser Unterschied entscheidet regelmäßig darüber, wer eine Einladung zur Antragstellung (Invitation to Apply) erhalt und wer auf die nächste Runde warten muss.
Das CRS-Punktesystem belohnt Sprachfähigkeit starker, als viele Antragsteller erwarten. Ein Sprung von CLB 7 auf CLB 9 in allen vier Fertigkeiten kann 40 bis 50 Punkte zum CRS-Score hinzufügen, ein Abstand, der häufig erfolgreiche Kandidaten von denen trennt, die monatelang im Pool verbleiben. Das bedeutet, dass für viele Express-Entry-Antragsteller die Investition in gezielte Prüfungsvorbereitung nicht nur darum geht, eine Mindestschwelle zu erreichen, sondern darum, die eigene Wettbewerbsposition zu maximieren. Zeit und Geld, die in eine Verbesserung von IELTS 6.0 auf IELTS 7.0 in allen vier Abschnitten investiert werden, können eine höhere Rendite bringen als fast jede andere Investition im Einwanderungsprozess.
Kanada akzeptiert für Französischkenntnisse außerdem TEF Canada oder TCF Canada, und selbst Antragsteller, die primär mit Englisch punkten, können durch nachgewiesene Französischkenntnisse zusätzliche CRS-Punkte sammeln, weil das kanadische Punktesystem Zweisprachigkeit aktiv belohnt.
Für die kanadische Staatsbürgerschaft müssen Erwachsene zwischen 18 und 54 Jahren ausreichende Kenntnisse in Englisch oder Französisch nachweisen, in der Regel auf Niveau CLB 4, entweder durch ein anerkanntes Testergebnis, durch den Nachweis einer Sekundar- oder Hochschulausbildung in Englisch oder Französisch, oder durch bestimmte staatlich anerkannte Sprachprogramme.
Die USA: TOEFL für Studierendenvisa, Englisch für die Einbürgerung
Die Vereinigten Staaten verfolgen einen deutlich anderen Ansatz: In den meisten Visakategorien steht keine Sprachanforderung direkt im Einwanderungsrecht, dafür aber in den Systemen, auf denen diese Visa aufbauen.
Beim Studierendenvisum F-1 gibt es keine im Einwanderungsrecht festgeschriebene Sprachanforderung. Stattdessen legt die Hochschule die Anforderung fest. Ohne Zulassung bekommt ein Bewerber kein I-20-Formular, das für den F-1-Antrag nötig ist, und kaum eine Hochschule nimmt internationale Studierende ohne Nachweis der Englischkenntnisse auf, meist über TOEFL iBT, IELTS Academic, den Duolingo English Test oder ein vergleichbares Verfahren, wobei die geforderten Werte je nach Programm und Wettbewerbsdruck stark variieren.
Der Duolingo English Test hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen als akzeptierte Alternative zu TOEFL und IELTS für die Hochschulzulassung in den USA. Er ist kurzer, günstiger und kann von zu Hause am Computer mit Webcam abgelegt werden, was ihn besonders zugänglich macht für Bewerber in Städten ohne ein nahegelegenes TOEFL- oder IELTS-Testzentrum. Allerdings akzeptiert nicht jede Universität ihn, und manche Programme, die ihn akzeptieren, setzen höhere Mindestpunktzahlen für Duolingo an als für TOEFL oder IELTS, weshalb ein Blick auf die konkrete Zulassungsseite des Zielprogramms vor der Festlegung auf einen Test unerlässlich ist.
Bei der Einbürgerung wird die Englischanforderung dagegen unumganglich und ausdrücklich formuliert. Antragsteller müssen im Rahmen des Einburgerungsgesprachs nachweisen, dass sie einfaches Englisch lesen, schreiben, sprechen und verstehen können, geprüft durch einfache Lese- und Schreibübungen sowie ein Gespräch mit der zuständigen Behörde (USCIS). Es gibt klar definierte Ausnahmen, oft als "50/20"- und "55/15"-Regel bezeichnet: Wer 50 Jahre oder alter ist und seit mindestens 20 Jahren eine Green Card besitzt, oder wer 55 Jahre oder alter ist und seit mindestens 15 Jahren eine Green Card besitzt, darf den Test zur Staatsbürgerkunde in der eigenen Muttersprache ablegen und braucht keinen Englischnachweis, mit Dolmetscher beim Gespräch. Eine separate "65/20"-Regel vereinfacht den Staatsburgerkundetest zusätzlich für Antragsteller ab 65 Jahren mit 20 Jahren ständigem Aufenthalt.
Für Arbeitsvisa (H-1B, L-1, O-1 und ähnliche Kategorien) gibt es in der Regel keine formale Sprachanforderung in irgendeiner Phase des Visumsprozesses selbst. Die Annahme ist, dass der Arbeitgeber die Fähigkeit des Bewerbers, die Stelle auszufüllen, bereits beurteilt hat, was implizit die für die Rolle erforderlichen Sprachkenntnisse einschliesst. Das macht das US-System unter den Ländern auf dieser Liste einzigartig, weil es arbeitenden Fachkräften so gut wie keine einwanderungsseitige Sprachlast auferlegt.
Frankreich: A2 für den Mehrjahresaufenthaltstitel, B1 für die Zehnjahreskarte, B2 für die Einbürgerung
Frankreich hat seine Sprachanforderungen mit dem Einwanderungsgesetz vom Januar 2024 spürbar verschärft, und wer sich auf ältere Artikel verlässt, arbeitet vermutlich mit veralteten Zahlen.
Nach der aktuellen Rechtslage müssen Antragsteller für die mehrjahrige Aufenthaltskarte (carte de sejour pluriannuelle) grundsätzlich A2-Französisch nachweisen, eine Anforderung, die vor der Reform 2024 in dieser Form noch nicht existierte. Für die carte de resident, die zehnjahrige Aufenthaltskarte, die einen dauerhaft gesicherten Status darstellt, gilt B1-Französisch. Für die Einbürgerung (naturalisation) wurde die Anforderung von B1 auf B2 angehoben, ein deutlicher Sprung, der einen allgemeinen politischen Kurs widerspiegelt, stärkere sprachliche Integration vor der Einbürgerung zu verlangen.
Der Sprung von B1 auf B2 für die Einbürgerung verdient einen besonderen Hinweis, weil er keine triviale Steigerung ist. B1 bedeutet, dass man die meisten Alltagsgespräche bewaltigt und Meinungen zu vertrauten Themen äußern kann. B2 bedeutet, dass man sich mit komplexen, abstrakten Themen auseinandersetzen, einen Standpunkt vertreten und detaillierten Diskussionen ohne wesentliche Schwierigkeiten folgen kann. Für jemanden, der seit Jahren in Frankreich lebt, auf Französisch arbeitet und auf Französisch sozialisiert, mag B2 von selbst kommen. Für jemanden, dessen Arbeitsplatz hauptsächlich auf Englisch funktioniert und dessen Freundeskreis kein komplexes Französisch erfordert, verlangt das Erreichen von B2 eine gezielte, strukturierte Vorbereitung, die über passive Exposition hinausgeht.
Als Nachweis gelten unter anderem das DELF (Diplome d'etudes en langue Französische), ein Diplom, das nach dem Bestehen unbegrenzt gültig bleibt, sowie TCF (Test de connaissance du Französisch) und TEF (Test d'evaluation de Französisch), die ein Ergebnis mit begrenzter Gültigkeit ausweisen, üblicherweise zwei Jahre, dafür aber oft schneller buchbar sind und schneller Ergebnisse liefern als DELF-Pruftermine, weshalb viele Antragsteller unter Zeitdruck lieber TCF oder TEF wahlen, auch wenn DELF sonst ihre erste Wahl gewesen wäre.
Spanien: DELE A2 erst bei der Einbürgerung, nicht beim regulären Aufenthaltstitel
Spaniens Regeln werden häufig missverstanden, deshalb vorweg die klare Aussage: Die meisten Aufenthaltstitel in Spanien verlangen überhaupt keine Sprachprüfung. Ein nicht erwerbstatiges Visum (visado de no lucrativa), eine Arbeitserlaubnis oder ein langfristiger Aufenthaltstitel setzen in der Regel keinen Spanischnachweis voraus.
Die Sprachanforderung greift erst bei der Einbürgerung. Wer die spanische Staatsangehörigkeit über Wohnsitz beantragt, muss die Prüfung DELE A2 bestehen (Diploma de Español como Lengua Extranjera), organisiert unter der Aufsicht des Instituto Cervantes, zusätzlich zur separaten CCSE-Prüfung (Conocimientos Constitucionales y Socioculturales de Espana), die Wissen über die spanische Verfassung, Kultur und Gesellschaft prüft, nicht die Sprache selbst. Staatsangehörige ibero-amerikanischer Länder, Andorras, der Philippinen und Aquatorialguineas sowie sephardische Juden, die unter besonderen historischen Regelungen antragsberechtigt sind, sind in der Regel von der DELE-Pflicht befreit, weil Spanisch bei ihnen als Mutter- oder Quasi-Muttersprache gilt, müssen aber trotzdem die CCSE-Prüfung bestehen.
Weil A2 eine wirklich niedrige Hürde ist und die Anforderung erst bei der Einbürgerung greift, nicht bei jedem Aufenthaltsschritt, leben viele langjahrige ausländische Bewohner Spaniens jahrelang ganz selbstverständlich im Alltag, ohne ihr Spanisch je formal nachweisen zu müssen, bis sie sich entscheiden, den Pass zu beantragen. Das schafft eine eigentumliche Situation, in der jemand, der seit zehn Jahren funktionales Spanisch spricht, möglicherweise in einem formalen Prüfungsraum sitzen und beweisen muss, was er ohnehin jeden Tag tut, während jemand, der in einer englischsprachigen Expat-Blase gelebt hat, möglicherweise echte, nachhaltige Vorbereitung braucht. In beiden Fallen ist es der pragmatische Ansatz, die DELE A2 ernst genug zu nehmen, um ihr spezifisches Format zu üben, statt davon auszugehen, dass Alltagsfahigkeit sich automatisch in Prüfungserfolg übersetzen wird.
Italien: A2 für den langfristigen Aufenthaltstitel, B1 für die Einbürgerung
Italiens System setzt die Anforderungen an zwei unterschiedlichen Stellen an, und es kommt darauf an, das richtige Niveau für das richtige Dokument zu kennen.
Für den EU-Aufenthaltstitel für langfristig Aufenthaltsberechtigte (permesso di soggiorno Ü per soggiornanti di lungo periodo), den üblichen langfristigen Aufenthaltstitel, der nach fünf Jahren rechtmassigen Aufenthalts verfügbar wird, müssen Antragsteller eine italienische Sprachprüfung auf Niveau A2 bestehen, entweder über den offiziellen Test des Innenministeriums, häufig organisiert über ein ortliches CPIA (Provinzzentrum für Erwachsenenbildung), oder über ein anerkanntes Zertifikat wie CILS (Certificazione di Italiano come Lingua Straniera) oder CELI (Certificato di Conoscenza della Lingua Italiana) auf Niveau A2.
Für die italienische Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung steigt die Anforderung auf B1-Italienisch, eine Regel, die seit einem Gesetz von 2018 gilt und ein anerkanntes Sprachzertifikat, CILS, CELI, PLIDA oder ein gleichwertiges Zertifikat, zur verpflichtenden Voraussetzung jeder Einbürgerung macht. Damit wurde eine frühere Lücke geschlossen, in der die Sprachkenntnisse eher informell im Gespräch beurteilt und nicht vorab zertifiziert wurden.
In der Praxis bedeutet das: CILS oder CELI auf A2 reichen möglicherweise für einen komfortablen langfristigen Status, aber wer später einen italienischen Pass beantragen will, sollte von Anfang an auf B1 hinarbeiten, denn dieses Zertifikat folgt nicht automatisch aus einem Jahre zuvor bestandenen A2. Der Abstand zwischen A2 und B1 ist großer, als er vielleicht klingt: A2 bedeutet, kurze, vorhersehbare Interaktionen zu vertrauten Themen zu bewältigen, während B1 bedeutet, ein Gespräch aufrechtzuerhalten, Meinungen auszudrücken und den Hauptpunkt eines Radioberichts oder Zeitschriftenartikels zu verstehen. Jemand, der vor drei Jahren A2 bestanden hat und seitdem kein formales Italienisch mehr gelernt hat, benötigt möglicherweise einen erheblichen Auffrischungskurs, bevor er B1 versucht.
Wie man die richtige Prüfung für sein Ziel auswählt
Bei so vielen sich uberschneidenden Systemen, Prufungsnamen und GER-Niveaus lässt sich die Auswahl der richtigen Prüfung auf vier Fragen herunterbrechen, in dieser Reihenfolge.
Erstens: Was sagt die aktuelle offizielle Seite der zuständigen Behörde, nicht ein Forumsbeitrag, nicht die Erfahrung eines Bekannten, nicht ein allgemeiner Ratgeberartikel zum Auswandern, dieser hier eingeschlossen, als Ersatz für die Quelle. Anforderungen ändern sich (die französische Reform von 2024 zeigt, wie schnell), und verlasslich ist nur die aktuell veröffentlichte Liste der anerkannten Prüfungen für die konkrete Visakategorie und das konkrete Land.
Zweitens: Welche Prüfungen sind ausdrücklich für dieses Verfahren zugelassen. Nicht jede anerkannte Sprachprüfung zahlt für jeden Zweck. IELTS Academic hilft einem Antragsteller für ein britisches Familienvisum nicht weiter, wenn ausdrücklich IELTS Life Skills verlangt wird. Ein DELF-Zertifikat belegt zwar Französischkenntnisse, steht aber nicht zwingend auf jeder regionalen Prafekturliste für jede Kartenkategorie, auch wenn es für die hier beschriebenen Standardwege in der Regel akzeptiert wird.
Drittens: Die Gültigkeitsdauer prüfen. Diplomprufungen wie DELF, DALF, das Goethe-Zertifikat oder CILS bescheinigen ein Niveau in der Regel dauerhaft, sobald sie bestanden sind. Punktebasierte Prüfungen wie IELTS, TOEFL, TCF oder TEF gelten üblicherweise nur zwei Jahre ab dem Testdatum, danach akzeptiert die Behörde das Ergebnis nicht mehr, unabhängig davon, wie fließend der Bewerber inzwischen tatsächlich ist. Das bedeutet, dass der Zeitpunkt der Prüfung im Verhältnis zum Antragsdatum entscheidend ist: Wer IELTS zweieinhalb Jahre vor der Visumsbeantragung ablegt, hat ein Ergebnis, das bis zum Bedarfszeitpunkt abgelaufen ist, selbst wenn das Englisch dann besser ist als am Prüfungstag.
Viertens: Bei einem offiziell anerkannten Testzentrum buchen und Anmelde- sowie Ergebnisfristen mit der eigenen Visums- oder Antragsfrist abgleichen, bevor Geld überwiesen wird, denn manche Prüfungen finden in bestimmten Städten nur wenige Male im Jahr statt, und die Ergebnisse können mehrere Wochen auf sich warten lassen. Ein häufiges Szenario, das Antragsteller unvorbereitet trifft: man bucht ein Prüfungsdatum, das nach der Antragsfrist liegt, oder stellt fest, dass Ergebnisse sechs Wochen brauchen, wenn das Antragsfenster in vier Wochen schließt. Vom Stichtag aus rückwärts das spateste akzeptable Prüfungsdatum zu berechnen und dann zwei bis drei Wochen früher zu buchen als Sicherheitspuffer, verhindert das.
Realistische Vorbereitungszeiten je nach Ausgangsniveau
Realistische Zeitpläne sind hilfreicher als motivierende, und sie hängen stark davon ab, auf welchem Niveau jemand startet und wie viele Stunden pro Woche wirklich investiert werden können.
Von null auf A1 dauert es üblicherweise zwei bis drei Monate konsequenten Lernens, etwa 60 bis 100 Unterrichtsstunden, bei mehrmaligem Lernen pro Woche. Das ist der schnellste Schritt auf der GER-Leiter, weil A1 relativ wenig verlangt: einfache Begrüßungen, simple Sätze im Präsens, Zahlen und die Fähigkeit, ein kurzes Formular auszufüllen.
Der Schritt von A1 zu A2 dauert ähnlich lang, zwei bis drei Monate, auch wenn der Lernstoff spürbar dichter wird: Vergangenheitsformen, mehr Wortschatz für Alltagssituationen und die Fähigkeit, kurze, vorhersehbare Gespräche zu führen statt nur auswendig gelernte Sätze abzuspulen.
Der Sprung von A2 zu B1 ist der Punkt, an dem die meisten Lernenden echten Widerstand spuren, und dauert realistisch drei bis vier Monate, weil B1 zusammenhängendes Sprechen, das Vertreten einer eigenen Meinung und das Verstehen des Kerns eines Gesprächs oder kurzen Textes verlangt, ohne dass jedes einzelne Wort erklärt werden muss. Genau dieses Niveau entscheidet über die deutsche Niederlassungserlaubnis, die französische Aufenthaltskarte und die italienische Staatsbürgerschaft, weshalb es die sorgfaltigste Vorbereitung auf dieser Liste verdient.
Der Weg von B1 zu B2, nötig für reglementierte Berufe in Deutschland, für ein akademisches Studium in Grossbritannien und für die französische Einbürgerung, dauert in der Regel vier bis sechs Monate, weil B2 Nuancen, das Vertreten eines Standpunkts und Sicherheit im Umgang mit abstrakten Themen statt nur konkreten Alltagssituationen verlangt.
Für alle diese Zeitpläne spielt die Stundenanzahl pro Woche eine ebenso große Rolle wie die Gesamtdauer. Wer zehn Stunden pro Woche lernt, erreicht B1 in Kalenderzeit schneller als jemand mit drei Stunden pro Woche, selbst wenn die Gesamtstundenzahl am Ende ähnlich ausfällt, weil häufigere Exposition die Vergessenskurve zwischen den Sitzungen verringert. Das Lernen auf mehr Tage pro Woche zu verteilen, auch in kürzeren Einheiten, ist in der Regel effektiver als dieselbe Gesamtstundenzahl in ein oder zwei langen Sitzungen am Wochenende zu konzentrieren.
Wer bei null anfängt und auf das B1-Niveau zusteuert, das die Niederlassung in Deutschland, die Aufenthaltskarte in Frankreich oder das unbefristete Aufenthaltsrecht in Grossbritannien freischaltet, sollte realistisch acht bis zwölf Monate konsequenten Lernens einplanen, nicht die drei Monate, die ein hoffnungsvoller Umzugsplan manchmal unterstellt. Diese Zeit von Anfang an fest in den Umzugsplan einzubauen, statt die Sprachprüfung als Formalität für später abzutun, ist die zentrale Lehre aus Geschichten wie der von Rui.
Außerdem ist es erwähnenswert, dass Prüfungsvorbereitung eine eigene Fertigkeit ist, die sich von allgemeinem Sprachenlernen unterscheidet. "Auf B1-Niveau sein" in Bezug auf Alltagsgespräche bedeutet nicht automatisch, dass man eine B1-Prüfung besteht, weil Prüfungen spezifische Formate, Zeitlimits und Aufgabentypen haben, die eigene Übung erfordern. Die letzten zwei bis vier Wochen vor einer Prüfung ausschließlich für Prüfungsformat-Übungen zu nutzen, zeitgebundene Schreibaufgaben, simulierte Sprechprüfungen und Hörübungen, die dem Audiostil der Prüfung entsprechen, verbessert die Ergebnisse durchgehend im Vergleich zu Kandidaten, die bis zum Prüfungstag nur allgemeines Sprachmaterial lernen.